«Reziproke Zölle»Vom Atoll bis zur Weihnachtsinsel – wen Trump alles mit Zöllen belegt
Vor US-Präsident Donald Trumps Zoll-Furor ist offenbar niemand sicher. Auf der Liste finden sich nicht nur Schwergewichte wie China und die EU, sondern auch von Eisbären bevölkerte Felsen in der Arktis, winzige tropische Inseln und eine ehemaligen britische Strafkolonie.

Sein Land werde seit Jahrzehnten von anderen Staaten «ausgeraubt, ausgeplündert, vergewaltigt, gebrandschatzt», wetterte Trump, als er am Mittwoch eine Liste der Länder verkündete, deren Ausfuhrüberschuss in die USA er mit hohen Zöllen bekämpfen will.
Hier ein Blick auf mit Zöllen belegte Gebiete, deren Bedeutung für die US-Handelsbilanz sich nicht jedem erschliesst:
Jan Mayen
Auf der Gletscherbedeckten Arktisinsel rund 600 Kilometer nordöstlich von Island leben möglicherweise mehr Eisbären als Menschen. Sie gehört seit 1930 zu Norwegen und ihre einzigen menschlichen Bewohner sind Mitarbeiter des norwegischen Militärs und des Meteorologischen Instituts. Die Hauptaufgabe des Militärs besteht darin, den norwegischen Anspruch auf Souveränität über die Insel zu überwachen. Etwa einmal pro Monat landet ein Frachtflugzeug aus Norwegen auf Jan Mayen. Das norwegische Aussenministerium äusserte sich zunächst nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur AP zu US-Zöllen für Jan Mayen.
Tokelau
Das Inselgebiet im Südpazifik besteht aus drei Atollen, die zusammen etwas mehr als zehn Quadratkilometer gross sind und rund 1.500 Einwohnerinnen und Einwohner haben. Als eine der kleinsten Volkswirtschaften im Südpazifik lebt Tokelau von Subsistenzlandwirtschaft, Fischerei und Finanzmitteln aus Neuseeland, das die Inseln verwaltet.
Auf Waren aus Tokelau werden in den USA künftig zehn Prozent Zoll fällig. Das ist verglichen mit den 34 Prozent für China zwar eher wenig, doch hat Tokelau auch nur wenig zu bieten, um die Zölle herunterzuhandeln. «Wenn solche Länder angesichts ihrer Grösse und Unbekanntheit in den Überlegungen der Trump-Regierung über die Höhe der Zölle keine grosse Rolle gespielt haben, könnte es für sie auch schwierig werden, etwas zu unternehmen, um sich aus diesen Zöllen heraus zu verhandeln», sagt der Wirtschaftswissenschaftler der australischen Denkfabrik Lowy Institute, Roland Rajah.
Weihnachtsinsel
Der Insel im Indischen Ozean und ihren knapp 2.000 Einwohnern können die von Trump verfügten Zölle von Zehn Prozent nichts anhaben. Das politisch zu Australien gehörende Gebiet rund 360 Kilometer südlich der indonesischen Hauptstadt Jakarta exportiert nämlich gar nichts in die USA, wie örtliche Regierungschef Gordon Thomson sagt. «Es gibt keinen Handel zwischen der Weihnachtsinsel und Amerika, ausser dass wir Bergbauausrüstungen über Tractors Singapore kaufen», sagt Thomson und bezieht sich dabei auf den regionalen Händler des texanischen Industrieriesen Caterpillar.
Thomson sagt, die Weihnachtsinsel kaufe in den USA nur ein. Der australische Aussenposten setze die Schwermaschinen aus Texas seit Jahrzehnten für den Phosphatabbau ein. «Das Einzige, was wir exportieren, ist Phosphat, und das geht nach Malaysia, Indonesien, vielleicht Thailand und ein wenig auf das australische Festland», sagt Thomson.
Heard- und McDonald-Inseln
Die Heard- und McDonald-Inseln gehören ebenfalls zu Australien und sind praktisch unbewohnt. Sie verfügen über zwei aktive Vulkane und können nur auf dem Seeweg erreicht werden. Dennoch finden sich die Eilande zwischen Madagaskar und der Antarktis auf Trumps Liste und sollen zehnprozentigen Zölle unterliegen. Die Antarktisabteilung der australischen Regierung antwortete nicht sofort auf die AP-Anfrage, wie sich die Zölle auf ihre Aktivitäten auf den Inseln auswirken könnten.
Norfolkinsel
Besonders streng springt die US-Regierung mit der Norfolkinsel im Pazifik um, einem weiteren australischen Territorium mit rund 2.000 Einwohnern. Die ehemalige britische Strafkolonie erhebe Zölle in Höhe von 58 Prozent auf Waren aus den USA, erklärte Washington. Deshalb würden für Einfuhren von dort in die USA jetzt 29 Prozent Zoll fällig.
Die Insel liegt etwa 1.600 Kilometer östlich von Sydney zwischen Neukaledonien und Neuseeland und lebt hauptsächlich vom Tourismus. Inselverwalter George Plant sagt, er stehe vor einem Rätsel. «Wir erheben keine Zölle auf irgendetwas. Ich kann mir auch keine nichttarifären Handelshemmnisse vorstellen, die es geben könnte. Deshalb kratzen wir uns am Kopf», sagt er der AP. Die Folgen der US-Zölle seien aber zu verschmerzen. «Meines Wissens exportieren wir nichts in die Vereinigten Staaten.»
Das kleinste und das grösste Land der Welt verschont
Zu den Staaten, die nicht auf der Liste gelandet sind, gehört der Vatikan. Der Kirchenstaat ist mit 44 Hektar das kleinste Land der Welt und fehlt auf Trumps Liste ebenso wie Russland, der grösste Staat der Erde, gegen den die USA Sanktionen verhängt haben. Dazu kommen unter anderem Kanada und Mexiko, deren Waren Trump schon vorher mit Zöllen belegt hat.
DPA/dam
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