An Arbeit im Team gewöhnt
Eine sehr positive Bilanz zieht Oliver Behringer aus Stäfa nach der ersten Saisonhälfte im Development-Team von Novo Nordisk. Wenn da nur die Erkrankung am Ende nicht gewesen wäre.

In seiner ersten Saison für die in Atlanta beheimatete Equipe überraschte sich Behringer selbst: «Ich hätte nicht gedacht, dass ich schon so früh für UCI-Rennen bereit sein würde.» Zehn Tage nach seinem 21. Geburtstag debütierte er am 30. März im Joe Martin Stage Race im US-Bundesstaat Arkansas – und das sogar als einer der beiden Teamleader.
«Ich hatte Bedenken, ob ich dieser Aufgabe gerecht werden könne», gesteht der Stäfner. Zumal für ihn vieles neu war. «Bei den Amateur-Rennen in der Schweiz ist man Einzelkämpfer. Nun galt es nach einer Teamtaktik zu fahren.» Und im grossen Feld gab es ständig Positionskämpfe. «Wer nicht versucht, nach vorne zu fahren, fällt zurück», konstatiert Behringer, der sich wacker schlug und immer mit der ersten Gruppe das Ziel erreichte. Das Highlight war für ihn Rang 47 in der 3. Etappe.
Fieber statt Resultate
Zufrieden mit Behringers Auftritt war auch die Teamleitung, die ihn für weitere Rennen nach Europa beorderte. 17 Fahrer umfasst das Development-Team von Novo Nordisk – allesamt Diabetiker. Nur jeweils sechs bis acht erhalten eine Startgelegenheit an einem UCI-Rennen. In drei Eintagesrennen Ende Mai im Regen auf schlechten Strassen in der Ukraine «metzgete» sich Oliver Behringer gut: «Ich reiste mit viel Selbstvertrauen nach Rumänien weiter.»
An der Tour of Bihor, einem Rennen der Europe Tour, machten sich bei ihm nach der 1. Etappe Erkältungssymptome bemerkbar. Am zweiten Tag legte sich Behringer im Schlussaufstieg noch für Teamkollege Sam Brand ins Zeug, der in der Gesamtwertung letztlich Rang 19 belegte. «Damit hatten wir als Team das Ziel erreicht», sagt der Stäfner, der mit Fieber aufgeben musste. Bis zur Tour of Malopolska in Polen wurde er nicht fit.
Diabetes kein Hindernis
«Ich bin mehr als happy mit der ersten Saisonhälfte – wenn nur die letzten zwei Wochen mit der Erkrankung nicht gewesen wären», zieht der Neuling Bilanz. Der Diabetes sei nie ein limitierender Faktor gewesen. Die klaren Ansagen der Teamleitung umzusetzen, statt immer persönlich auf ein möglichst gutes Resultat zu fahren, ist für den 21-Jährigen eine neue Erfahrung: «Wir werden an der Rangierung des besten Teammitglieds gemessen.» Die Preisgelder gehen in einen Topf, an welchem alle Fahrer, die ein Rennen bestritten haben, partizipieren.
Etwas auf die hohe Kante legen kann der ausgebildete Fachmann Gesundheit, der von Novo Nordisk ein kleines Fixum erhält, nicht. «Weil ich in Atlanta aber gratis im Teamhaus leben kann und vier Flüge pro Jahr zugut habe, geht es.»
Vorbild an Mailand–Sanremo
Dieser Tage weilt der Stäfner in der Heimat. Am Zürichsee absolviert er die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte. Die Strassen-SM am vergangenen Sonntag liess er aus, sie wäre nach der Erkrankung zu früh gekommen. Am 7. Juli fliegt Oliver Behringer wieder in die Staaten, wo er lokale Rennen bestreiten wird. «Wenn es gut läuft, kehre ich als einer von sechs Fahrern für weitere UCI-Rennen nach Europa zurück», sagt der 21-Jährige.
Sein Ziel ist es, 2019 ins Profi-Team von Novo Nordisk aufzusteigen. «Das ist hochgesteckt, aber nicht unrealistisch.» Schliesslich habe er nächstes Jahr mehr Erfahrung und sollte auf einem höheren Niveau einsteigen und selbst auf Resultate fahren können. Als Vorbild dient ihm Umberto Poli. Der gleichaltrige Italiener fuhr 2016 noch für das Development-Team des Insulinherstellers. Diesen Frühling gehörte Poli nach dem Aufstieg in die Pro-Continental-Equipe bei Mailand–Sanremo, dem längsten Eintagesrennen der World Tour, während 250 Kilometern einer Fluchtgruppe an.
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