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Wespenplage
Wie man Wespen richtig in die Flucht schlägt

Jetzt nicht hektisch herumfuchteln, das macht die Störenfriede nur aggressiv.
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Der Kampf gegen die Wespe ist ein weites Feld, am Esstisch wie auch in privaten oder öffentlich geführten Diskussionen. Der eine Kollege schwört beispielsweise auf maximale Gelassenheit und behauptet, er würde sogar seine Wurst mit den Viechern teilen. Aber so viel Nächstenliebe muss man beim Feierabendbier erst einmal aufbringen. Die Kollegin, büroanerkannte Expertin für Wespenrechte, empfiehlt hingegen das Versprühen von Wasser, weil man damit die ökologisch benebelten Insekten in den Glauben versetzt, es würde regnen. Auch das Internet ist in all seiner Wespenhaftigkeit natürlich voll mit Ratschlägen, wie man die Störenfriede von Eiweiss und Süssem fernhält: Brennendes Kaffeepulver, ätherische Öle, Wespenfallen empfehlen manche Webseiten, andere plädieren für Kupfermünzen, eintönige Klamotten und warnen in jedem Fall vor hektischem Herumfuchteln. Zumindest auf letzteres kann man sich problemlos einigen.

Anruf bei Biologin und Autorin Melanie von Orlow («Das Insektenhotel») – die einen Grossteil der guten Ratschläge ziemlich zerlegt, so rein verbal. Ganz so dumm sind die Viecher dann eben doch nicht. Das versprühte Wasser? «Da muss man der Wespe dann nur noch erzählen, dass sie auch nach Hause fliegen muss. Um einen Rasensprenger fliegen sie ja auch einfach herum.» Das schwelende Kaffeepulver? «Stimmt, irgendwann kommt bei Rauch keine Wespe mehr – aber auch kein Mensch mehr», sagt die Expertin. Generell gebe es keinen ihr bekannten Geruchsstoff, der die Wespen dauerhaft fernhält. Knoblauch, Öle, Räucherstäbchen, alles für die Tonne? «Die Wespe meidet Gerüche ja nur, wenn es evolutionsbiologisch Sinn ergibt.» Und der Rat mit dem Tragen von nicht zu bunten Klamotten? «Die Tiere bleiben bei gemusterter Kleidung vielleicht einen Ticken länger hängen», sagt Orlow. Ihre Abendgarderobe würde sie dennoch nicht auf die visuelle Auffassungsgabe der Insekten abstimmen.


Ein Glas über den ersten Späher zu stülpen, kann helfen

Den Hautflügler ganz profan tothauen? Sogar laut seriösen Quellen stehen darauf zwar Strafen in bis zu fünfstelliger Höhe. Allerdings sagt selbst die am Tothauen nicht interessierte Naturschützerin über den Bussgeldkatalog: «Alles Blödsinn.» Dass die zwei namentlich bekannten Störenfriede Gemeine Wespe und Deutsche Wespe wie alle wildlebenden Tiere unter «allgemeinem Naturschutz» stehen, heisst nur: Mit «einem vernünftigen Grund» darf man sich ihrer rein theoretisch entledigen. Als vernünftiger Grund kann neben einer Allergie gegen Stiche auch reichen, «wenn sie die Wärmedämmung aus dem Haus tragen». Von roher Gewalt rät sie trotzdem ab. Insbesondere im Restaurantgarten mit ganzen Wespenschwärmen werden die Tiere dadurch nur aggressiver. Es könne jedoch helfen, ein Glas über den ersten Späher zu stülpen, bevor dieser Verstärkung holt.

Einen richtig guten Trick gegen Wespen gibt es laut Orlow freilich doch: «Unters Netz.» In manchen Regionen wie etwa Florida sei eine mit Moskitonetz verkleidete Veranda wegen Insekten aller Art mittlerweile Normalität, und Orlow prophezeit: «Das ist auch bei uns die Zukunft.» Wem das zu aufwendig ist, kann auch warten. Denn irgendwann, spätestens mit den ersten kalten Nächten im Herbst, sterben die Wespenvölker bis auf die Jungköniginnen ab. Nur will dann auch kaum noch jemand draussen essen.