Geldberater zu den Folgen für AnlegerDas bedeutet Trumps Zoll-Hammer für Ihre Aktien
Die Zölle dürften für weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen. Welche Aktien Sie jetzt stärker gewichten sollten – und welche Sie besser meiden.

Soll ich mein Portfolio aufgrund der Zölle umschichten? Soll ich den US- Anteil reduzieren und bestimmte Branchen meiden? K.G.
Seit dieser Woche ist klar, dass Präsident Trump einen realen Handelskrieg angezettelt hat. Noch schlimmer als die effektiven Zölle sind die willkürlich anmutenden Tarife pro Land. Warum die EU weniger hohe US-Zölle hat als die Schweiz, obwohl unser Land auf die meisten Waren keine Industriezölle erhebt, ist nicht nachvollziehbar. Die Erkenntnis, dass der Handelskrieg Realität ist, und die Willkür der US-Regierung bei der Festsetzung von nationalen Tarifen hat die Unsicherheit bei den Anlegerinnen und Anlegern verstärkt und dafür gesorgt, dass es bei Aktien teilweise zu einem Ausverkauf gekommen ist.
An der Börse wird mit den Füssen abgestimmt – sprich: Investoren laufen davon und trennen sich von Aktien. Wenngleich alle Märkte von der Unsicherheit betroffen sind, kam es besonders bei US-Aktien zu starken Abgaben. Das hat Logik: Die hohen US-Importzölle Trumps werden sich als Bumerang erweisen. Die destruktive Handelspolitik dürfte das Wachstum der US-Wirtschaft stark bremsen. Gleichzeitig sorgen die hohen Importzölle dafür, dass die Inflation in den USA wieder ansteigt. Obwohl Donald Trump versprach, die Inflation zu bekämpfen, heizt er sie mit den Zöllen an. Das Risiko einer US-Rezession ist stark gestiegen, womit nicht ausgeschlossen werden kann, dass es in den USA zu einer Stagflation kommt – einem negativen Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig hoher Teuerung.
Genau darum haben sich viele aus den US-Aktien verabschiedet. Ihnen rate ich nicht, das Portfolio gleich auf den Kopf zu stellen. Angesichts der Aussicht auf ein schwächeres US-Wachstum ergibt es aber Sinn, die Gewichtung von US-Aktien zu reduzieren. Dafür spricht auch der schwache US-Dollar, der im Zuge von Trumps Zollpolitik zum Franken Federn lassen musste und wohl auch künftig gegenüber dem Franken schwach tendieren wird – wie er dies übrigens schon seit über 25 Jahren tut.
Negative Folgen haben die US-Zölle allerdings für die gesamte Weltwirtschaft, welche leidet. Längst nicht alle Unternehmen sind in der Lage, die vollen Zölle an ihre Kunden weitergeben zu können. Viele müssen Margeneinbussen in Kauf nehmen, was die Gewinne belastet. Wegen der Angst vor den US-Zöllen und der negativen Folgen für die US-Wirtschaft ist es bereits zu einer Rotation aus US-Aktien vermehrt in europäische Titel gekommen.
Schweizer Aktien empfehlen sich nun
Firmen in Europa profitieren von den Investitionsprogrammen in die Infrastruktur und die Verteidigung. Weil aber auch die EU-Länder unter den US-Zöllen leiden und viele EU-Staaten hausgemachte Probleme haben, würde ich europäische Aktien nicht höher gewichten. Der Euro schlägt sich gegenüber dem Dollar zwar gut, hat aber in der Vergangenheit zum Franken laufend verloren und wird es langfristig weiter tun.
Stärker gewichten würde ich indes Schweizer Aktien. Nestlé und Givaudan produzieren den Grossteil lokal für die einzelnen Märkte und sind daher nur in kleinem Umfang von den US-Zöllen betroffen. Die Pharmariesen Novartis und Roche bleiben wohl nicht von den Zöllen verschont. Doch selbst wenn auch die Zölle auf Medikamente kommen, kauft man diese bei gesundheitlichen Bedarf dennoch, wenn sie Linderung verschaffen. Hier sind eher Preiserhöhungen durchsetzbar. Übertrieben waren auch die Abgaben bei Kühne+Nagel und SGS.
Chancen sehe ich bei stärker auf den inländischen oder europäischen Markt ausgerichtete Schweizer Firmen wie die Swisscom, aber auch Swiss Life, Galenica oder Cembra Money Bank. Kaufmöglichkeiten sehe ich weiter bei der BKW, Meier Tobler, BCV, Graubündner KB oder Swiss Prime Site. All diese Titel haben den Pluspunkt, dass sie schöne Dividenden liefern, aber gar nicht oder nur in begrenztem Umfang Währungs- und US-Zoll-abhängig sind. Meiden würde ich derzeit Luxusgüteraktien. Über die reine Diversifikation hinaus nicht noch viel stärker gewichten würde ich nach den Rekorden Gold, aber auch Franken-Obligationen. Letztere bieten zwar Sicherheit. Wenn man aber auf Frankenanleihen von sicheren Schuldnern setzt, hat man angesichts der tiefen Zinsen kaum Rendite, die meist noch von den Bankgebühren aufgefressen wird.
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