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Dorfgeflüster
Mit Muh gegen Roarrr

Darüber spricht das Dorf.
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Was der Reiz einer Passfahrt ausfahrt, kann ich nur bedingt nachvollziehen, denn ab der dritten Kurve wird mir als Beifahrerin im Auto übel. Für passionierte Töfffahrer scheint es aber nichts Prickelnderes zu geben als Passfahrten. Die schwere Maschine bergauf zu beschleunigen und in den Kurven zu liegen – einmal linksrum und einmal rechtsrum – muss ein gewaltiges Gefühl von Freiheit auslösen.

Jedenfalls ging mir das durch den Kopf, als ich vor ein paar Tagen mit dem Auto aus dem Tessin über den Nufenen ins Wallis gefahren bin. Die Strecke scheint bei Besitzern von schweren Zweirädern sehr beliebt – sie befahren sie einzeln und in grossen Biker-Gruppen.

Wie erschrak ich, als kurz vor der Passhöhe plötzlich eine einsame Kuh gemütlich von der Alpwiese auf die Strasse tritt, als hätte sie ihre Herde verloren und möchte die Weite der Alpenwelt erkunden. Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits, wie ein Motorradlenker in letzter Sekunde versucht, ihr auszuweichen, und ins Schleudern kommt, und der nächste Biker in die Kuh prallt.

Die Tessiner sehen das viel gelassener als ich. «Una vacca in mezzo alla strada?», fragt mich der Kantonspolizist und erklärt mir in nachsichtigem Tonfall, dass die Bauern ihre Tiere von einer Weide auf die andere ziehen liessen. Die fänden ihren Weg schon. Nein, gefährlich sei das nicht. «Man muss nur etwas langsamer fahren, dann passiert nichts.»

Beliebte Kurven bei den Bikern zwischen Albispass und Langnau.

Archivfoto: Michael Trost

Ein weiser Spruch, finde ich. Wie wäre es, wenn diese Kuh-Taktik auch am Albis angewandt wird, wo die Anwohner unter dem Lärm der Töff-Raser leiden? Die aktuelle Roarrr- Kampagne der Kantonspolizei Zürich scheint nicht ausreichend zu wirken. Sie könnte es mit Muh-Plakaten versuchen. Tempomildernd und das Tüpfli auf dem «I» wären noch strategisch günstig platzierte Kuhfladen.