Kann man im SAC-Massenlager eigentlich Sex haben?
Eine fiktive Unterhaltung offenbart, was Kletterinnen gerne und häufig gefragt werden.

Kürzlich an einem Apéro bei Bekannten daheim: Es waren etwa zwanzig Leute da, die meisten hatte ich davor noch nie gesehen. Für diese Anzahl Gäste war die Stadtwohnung relativ eng, darum standen wir uns in der Küche, im Wohnzimmer und auf dem Balkon auf den Füssen rum. Und wie es so geht: Man kommt ins Gespräch. Man fragt sich gegenseitig oberflächliches Zeug. Was man arbeitet. Wo man wohnt. Was man von Veganern hält und was von Ecopop. In welchem Fitnesscenter man trainiert.
Einer der Ersten, mit denen ich an diesem Abend einen Small Talk führte, hiess Remo*. Er trainiert im Holmes. Ich sagte, ich trainiere in der Kletterhalle und gehe gerne bergsteigen. Später entschloss ich mich, dass ich künftig an solchen Anlässen meine Leidenschaft für die Hochalpen verheimlichen werde. Die Fragen, die mir nämlich gestellt werden, sind immer etwa die gleich dummen. Der Dialog geht etwa so:
Wirklich, du gehst bergsteigen?
Ja.
So richtig? Mit Seil und allem?
Ja.
Echt jetzt?
Ja.
Warst du schon auf dem Matterhorn?
Ja.
Ist das nicht gefährlich?
Es geht so.
Weshalb machst du das?
Das frage ich mich auch.
Remo und ich stehen in der Küche, sein Freund Ralf* kommt rein.
Jetzt ist Ralf dran mit seinen Fragen.
Echt? Warst du schon auf dem Matterhorn?
Ja.
Ist das nicht gefährlich?
Es geht so.
Das könnte ich nie. Ich habe fürchterliche Höhenangst. Mich graust es schon, wenn ich auf dem Balkon stehe.
Oje.
Kennst du Ueli Steck?
Ja.
Wie findest du ihn?
Cooler Typ.
Aber der hat nicht alle Tassen im Schrank, oder?
Findest du?
Remo mischt sich wieder ins Gespräch ein.
Ich habe kürzlich im TV einen Dokumentarfilm über einen Kletterer gesehen. Jetzt weiss ich gerade nicht mehr, wie er geheissen hat, aber es war krass.
Ich schaue fast nie TV.
Du, darf ich dir eine peinliche Frage stellen?
Klar.
Wie macht man das eigentlich, wenn man mitten in einer Felswand auf die Toilette muss?
Man macht sich einfach in die Hose.
Wir lachen.
Zwei Stunden später treffe ich Remo auf dem Balkon wieder. Er hat in der Zwischenzeit mindestens zwei Bier getrunken, ist jetzt in Flirtstimmung, stellt sich eng neben mich und fragt wieder.
Wenn du schon auf dem Matterhorn warst, dann hast du sicher schon oft in SAC-Hütten übernachtet.
Schon sehr oft.
Kann man im Massenlager eigentlich Sex haben?
Sicher, was denn sonst?
Hast du auch schon?
Fast jedes Mal.
Echt?
Echt!
Anmerkung: *Die Namen Remo und Ralf sind fiktiv, aber nicht die Fragen. Ich schwöre, sie sind mir schon unzählige Male gestellt worden. Dass ein Massenlager bei Männern gewisse Fantasien hervorruft, kann ich entfernt nachvollziehen. Aber warum ist es so wichtig, ob man auf dem Matterhorn war? Das verstehe ich beim besten Willen nicht.
Dieser Artikel wurde erstmals am 29. Oktober 2014 publiziert und am 31. Juli 2023 in dieses Redaktionssystem übertragen.
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