50 Jahre Besetzung KaiseraugstDie Bilder der grössten Anti-AKW-Proteste der Schweiz
Im April 1975 strömten Tausende Menschen auf ein Gelände in Kaiseraugst, um den Bau eines Kernkraftwerks zu verhindern. Ihr Erfolg war historisch für die Schweiz.

- Die Besetzung in Kaiseraugst lockte teilweise bis zu 20’000 Menschen zum Protest ans Rheinufer.
- Protestierende errichteten ein Camp mit Küchen, Versammlungsplätzen sowie Infotafeln.
- Nach dem Tschornobyl-Unglück wurde das AKW-Projekt definitiv nicht mehr realisiert.
Am 1. April 1975 besetzten Hunderte von Aktivistinnen und Aktivisten die geplante Baustelle eines Atomkraftwerks im aargauischen Kaiseraugst. Die Protestaktion, die sich zu Beginn als kurzfristiger Demonstrationsakt verstand, wie es schon ähnliche am selben Ort gegeben hatte, entwickelte sich rasch zur längsten und symbolträchtigsten Widerstandsaktion in der Geschichte der Schweizer Anti-AKW-Bewegung – und wurde zum Zeichen für den zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen die Atomenergie.

Die Besetzung, an der insgesamt rund 20’000 Menschen teilnahmen, war der Gipfel eines jahrelangen Protests. Bereits 1964 hatten die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK) die Pläne für das Atomkraftwerk am Rhein nicht weit von Basel publik gemacht. Die Lage war aufgrund der Nähe zum Rhein, dessen Wasser zur Kühlung hätte dienen sollen, ideal. Doch rasch kam Widerstand – nicht nur aus der direkt betroffenen Bevölkerung, sondern aus der ganzen Schweiz und dem angrenzenden Ausland.


Im April 1975 versammelten sich mehrere Hundert Menschen auf dem Areal, um die bereits begonnenen Aushubarbeiten zu behindern. Sie schlugen Zelte auf und errichteten eine provisorische Infrastruktur mit Küchen, Versammlungsplätzen und Infotafeln. Die Besetzung dauerte über zehn Wochen und zog Tausende von Menschen an. Neben Studierenden, Umweltschützerinnen, Bauern, Gewerkschaftern und ganzen Familien mit Kindern fanden sich auch prominente Kulturschaffende sowie Politiker und Politikerinnen auf dem Platz ein.

Prominente Gesichter bei der Anti-AKW-Bewegung
Zu den bekanntesten Unterstützern gehörte der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, der sich öffentlich mit den Besetzerinnen und Besetzern solidarisierte. In einem offenen Brief bezeichnete er die Atomkraft als «Knebelung der Zukunft» und lobte den Widerstand in Kaiseraugst als «Akt der Zivilcourage».

Der Schriftsteller Franz Hohler trat während der Besetzung auf und unterhielt die Aktivistinnen und Aktivisten mit politischen Liedern und kabarettistischen Einlagen. Hohler war damals eine der wichtigsten Stimmen der Schweizer Kulturszene und verlieh dem Protest eine starke mediale Präsenz.

Mit dabei war auch der Basler Musiker Aernschd Born, der dem Protest den Song «D Ballade vo Kaiseraugscht» widmete.
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Die breite und mehrheitlich wohlwollende Berichterstattung in den Medien trug dazu bei, dass sich die Proteste zu einer nationalen Debatte ausweiteten. Auch deutsche Zeitungen berichteten über «die Besetzer von Kaiseraugst». Die Schweizer Regierung und die NOK gerieten zunehmend unter Druck.

Schliesslich wurde das Projekt Kaiseraugst nie realisiert. Zwar blieb das Baugesuch formal noch jahrelang bestehen. Spätestens nach dem Atomunglück in Tschornobyl im Jahr 1986 war dann aber allen klar, dass aus dem Bau nichts werden würde. Zwei Jahre später wurde das Vorhaben endgültig aufgegeben.
Die Organisation «Nie wieder Atomkraftwerke» (NWA), zu der auch die Baselbieter Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer gehört, begeht das Jubiläum der erfolgreichen Besetzung am 5. April mit einem Anlass in der Markthalle in Basel. Unter anderem wird NWA an diesem Tag eine neue nationale Resolution vorstellen, die die Kernbotschaften der Anti-AKW-Bewegung hervorhebt.
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