Geldberater zu FehlkäufenLieber das Depot breiter aufstellen, als die Kursverlierer aufzustocken
Es ist besser, neue Mittel in andere Titel zu investieren, als eine schlechte Position auszubauen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Aktie nach einem grossen Wertverlust erholt, ist oft gering.
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Mein breit diversifiziertes Portfolio enthält zwei Sorgenkinder, Softwareone und Swatch. Bei Ersterem habe ich einen Durchschnittseinstandspreis von 17.71 Franken und bei Letzterem von 207 Franken. Bei Swatch tendiere ich dazu, die Position mit einer Gewichtung von 2,4 Prozent des Portfolios zu halten. Bei Softwareone frage ich mich, ob ich nachkaufen soll. Die Aktie notiert aktuell bei rund 7 Franken, die UBS hat für das Wertpapier ein Kursziel von 11 Franken ausgegeben. Wenn ich die Position jetzt verdopple, käme ich auf einen neuen Einstandspreis von 11.85 Franken. D. H.
Ich würde generell bei Aktien, bei denen man schon auf beträchtlichen Buchverlusten sitzt, nicht zusätzlich nachkaufen. Es stimmt, dass Sie durch eine Aufstockung der Position – in Ihrem Fall von Softwareone – Ihren durchschnittlichen Einstandspreis senken könnten. Mit dieser Massnahme erhöhen Sie gleichzeitig aber Ihr Risiko.
Dies würde aus meiner Sicht nur Sinn machen, wenn Sie sich ganz sicher wären, dass die Aktie zu Unrecht tief notiert und von den Anlegerinnen und Anlegern eigentlich viel höher bewertet sein müsste. Das kommt manchmal vor. In den meisten Fällen hat wohl eher der Markt recht, der eine Aktie aufgrund von schwachen Zahlen, operativen Fehlern, negativen Aussichten oder verletztem Anlegervertrauen in den Keller schickt.
Fehlkäufe eingestehen und einen Strich ziehen
Wenn man eine Aktie aus Überzeugung gekauft hat, ist es später oft nicht einfach, einzugestehen, dass man mit dem Kauf einen Fehlgriff getätigt hat und die Überlegungen, die man sich vor dem Kauf machte, falsch waren. Oft will man in solchen Situationen nicht wahrhaben, dass man falschlag, und hält – fast mit Händen und Füssen – an einer schlechten Position fest. Dies führt nicht selten dazu, dass man zusehen muss, wie der Kurs immer tiefer taucht und die eigenen Buchverluste auf der Position immer höher werden.
Solche Erfahrungen machen alle Investoren, welche in Einzelaktien anlegen. Natürlich sollte man eine Aktie nicht gleich beim ersten Gegenwind auf den Markt werfen, da man so zum reinen Trader wird und die Transaktionskosten in die Höhe gehen, zumal man den Verkaufserlös wieder neu anlegen muss. Falls aber die Perspektiven einer Börsenfirma für längere Zeit negativ bleiben, ist es meistens lohnenswert, einen Strich zu ziehen und die Position abzustossen.
Keine Garantie, dass sich die Aktie schnell erholt
Leider sehe ich bei Softwareone momentan noch keine grosse Hoffnung für eine rasche und starke Erholung. Die angekündigte Übernahme des norwegischen IT-Beraters Crayon Group ist vielversprechend, aber noch nicht in trockenen Tüchern und kein Erfolgsgarant für die Zukunft.
Auch dass die UBS für die Aktie von Softwareone ein Kursziel von 11 Franken hat, ist keine Garantie, dass sich die Aktie auf diesen Wert schnell erholt. Sollten neue Fakten die Aussichten für Softwareone verschlechtern, kann eine Bank ein bestehendes Kursziel auch locker senken. Besser als eine schlechte Position aufzustocken, ist es, neue Mittel in andere Titel zu investieren und das Depot so breiter zu diversifizieren.
Das Gleiche gilt meines Erachtens bei der Swatch Group, bei der ich auch von der Kursentwicklung enttäuscht bin. Auch da erwarte ich keine rasche und starke Erholung, da diese wohl erst kommt, wenn die Verkäufe in China richtig anziehen und es zu Veränderungen im Management kommt. Für beides ist es zu früh. Immerhin bietet die Swatch Group trotz Kürzung noch eine Dividendenrendite von knapp 3 Prozent – zwar nur ein schwacher Trost für den Kurszerfall, aber immerhin etwas.
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