Kolumne «Tribüne»Warum ich glaube
Berthold W. Haerter, Pfarrer in Oberrieden, spricht über Gottvertrauen und Enttäuschungen über Gottes Bodenpersonal.

Ein Pfarrer hält die letzte Predigt in «seiner» Gemeinde. Am Kirchenausgang meint ein älteres Gemeindeglied zu ihm: «Es ist schade, dass Sie gehen. Nun wird es nur schlechter.» Der Pfarrer fühlt sich geschmeichelt, meint aber: «Die nachfolgende Pfarrperson ist kompetent, erfahren und hat einen guten Ruf.» Das Gemeindeglied antwortet: «Ähnliches haben Ihre Vorgänger auch immer gesagt. Sie sind jetzt der vierte Pfarrer, den ich hier erlebe, und jedes Mal ist es nach einem Wechsel schlechter geworden.»
Diese kleine Anekdote zeigt, wie wichtig es ist, gut ausgebildete aber auch authentische Pfarrpersonen zu haben. Sie zeigt aber auch, wie schnell man seinen Glauben an eine Person bindet und so Enttäuschungen vorprogrammiert sind.
Etwas ganz anderes habe ich vor kurzem bei einem Besuch erlebt. Das Ehepaar kannte ich aus dem Dorf. Ab und zu waren sie im Gottesdienst. Beim Besuch erzählten sie mir mit Begeisterung von ihrem Konfpfarrer. Durch seine Hilfe hatten sie vor vielen Jahren einen tiefen und festen Glauben entwickelt. Dieses tiefe Vertrauen auf Gott trug sie durchs Leben. Auch dieses Ehepaar hatte verschiedene Pfarrpersonen erlebt und zu manchen eine dezidierte Meinung, aber völlig unabhängig von ihrem Glauben. Ihr Gottvertrauen vertrug Enttäuschungen über Gottes Bodenpersonal. Trotz Irritationen in ihrer Gemeinde war ihr Glaube unerschütterlich. Die Konfsprüche hängen im Schlafzimmer und erinnern sie täglich an den eigentlichen Grund ihres Glaubens, an Gott, wie Jesus Christus ihn uns nahe gebracht hat.
In der Bibel ist Paulus ein Verfechter eines Gottvertrauens, unabhängig von Menschen mit ihrer scheinbaren Genialität. Paulus erklärt immer wieder, dass Glaube den Menschen nahe gebracht werden muss. Es ist wichtig und tut gut, über seine Beziehung zu Gott miteinander zu diskutieren. Biblische Geschichten sind ein Schatz, der uns hilft, ethisch gute Menschen zu sein und zu bleiben. Dabei sollten wir aber authentisch sein. Es geht nicht darum, wie originell Glauben weitergegeben wird. Wichtig ist unsere Einstellung, nämlich dass jede und jeder sich von Gott abhängig weiss und dankbar seine Gaben für andere einsetzt. Der Glaube aber ist ein Geschenk, der nach Paulus «nicht aus menschlicher Weisheit kommt, sondern aus der Kraft Gottes».
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