Hass in der Berner KulturszeneSophie-Hunger-Wandbild bei der Reitschule zerrissen und übermalt
Das Kunstwerk war Ausdruck der Solidarität mit der Sängerin und Autorin, die extremistischen Kreisen zu Israel-nah ist.

Die Ereignisse im Vorfeld der Auftritte von Sophie Hunger in der Dampfzentrale in Bern folgen Schlag auf Schlag: Als Reaktion auf anonyme Aufrufe zum Boykott der Auftritte der in extremistischen Kreisen als israel-nah geltenden Autorin und Sängerin hatte eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern ein «Welcome Sophie»-Wandbild an einem Pfeiler der Eisenbahnbrücke bei der Reitschule angebracht.

Dieses ist bereits einen Tag nach der Anbringung am Samstag von Unbekannten zerstört und heruntergerissen worden, wie Künstler Johannes Lortz berichtet. Am Montag schliesslich prangte das rote Hamas-Dreieck an der Stelle, wo zuvor das Bild von Sophie Hunger gewesen war. «Dieser Vorfall steht exemplarisch für eine Atmosphäre zunehmender Einschüchterung im öffentlichen Raum», sagt Lortz.
Feindmarkierung der Hamas
Das rote Hamas-Dreieck wird von der palästinensischen Terrorgruppe in Propagandavideos und Social-Media-Grafiken als Feindesmarkierung eingesetzt. Videos von Angriffen auf israelische Ziele werden damit retuschiert, und es zeigt wie ein Pfeil auf feindliche Panzer und Soldaten. Im Frühjahr letzten Jahres tauchten die nach unten zeigenden roten Dreiecke in Berlin als Markierung von Kneipen und Veranstaltungslokalen auf, die auch israelfreundliche Stimmen auftreten lassen. Kurz darauf tauchten die Schmierereien auch in Zürich und Bern auf.
Die Verunstaltung des Sophie-Hunger-Wandbilds ist der neueste in einer Reihe von Vorfällen in der Berner Kulturszene seit den Hamas-Massakern vom 7. Oktober. Es begann mit Hass-Posts von Dino Dragić-Dubois vom Lokal «In Transformation», Mitglied der Berner Kulturkommission, gegen andere Künstlerinnen und Künstler. Dabei bezeichnete Dragić-Dubois den Autor Jürg Halter als «Genozidverherrlicher» und sprach Israel in einem anderen Post das Existenzrecht ab. Die Stadt mahnte das Kulturkommissionsmitglied daraufhin ab, und Dragić-Dubois entschuldigte sich für die Vorfälle.
Kurz darauf kam es zu anonymen Boykottaufrufen gegen die Auftritte von Sophie Hunger in der Dampfzentrale. Dabei wurde Sophie Hunger vorgeworfen, Propaganda für die israelische Armee zu betreiben. Absender dieses Posts war Ciné Résistance, ein Veranstalter, der im einstigen Club Kapitel von Dragić-Dubois Filme zeigt.
Sophie Hunger gilt in extremistischen Kreisen als zu «israel-nah», wie im Lead korrekt erwähnt wird. Im ersten Abschnitt wurde dies zunächst versehentlich zu «israel-nah» verkürzt, wofür wir uns entschuldigien. Die Version im ersten Abschnitt wurde nachträglich angepasst.
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