LGBTIQ-HelplineAnzahl gemeldete Attacken aufgrund sexueller Orientierung verdoppelt
Im Jahr 2023 wurden 305 Vorfälle an die LGBTIQ-Helpline gemeldet. Die meisten davon stammen aus dem Kanton Zürich.
Im vergangenen Jahr sind der Schweizer LGBTIQ-Helpline 305 Fälle von Beschimpfungen oder Angriffe auf lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intergeschlechtliche oder queere Personen gemeldet worden. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.
Der rasante Anstieg der Meldungen zeige, dass das deutlich LGBTIQ-feindlichere Klima in den Medien und der Politik reale Konsequenzen auf die Sicherheit solcher Menschen in der Schweiz habe.
Das teilten das Transgender Network Switzerland (TGNS), die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und die Schuwulenorganisation Pink Cross am Freitag mit. Die drei LGBTQ-Dachverbände betreiben die LGBTIQ-Helpline in der Schweiz. LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.
Klar am meisten Meldungen aus Zürich
Seit 2016 erfasst die Helpline Meldungen von solchen «Hate Crimes» oder Hassdelikten, wie die drei Verbände schreiben. Damit soll das Ausmass der Gewalt und Diskriminierung sichtbar gemacht werden, weil laut den Verbänden in der Schweiz eine umfassende nationale Statistik fehlt.
2020 waren erst 61 Meldungen eingegangen, 2021 deren 92, im Jahr 2022 deren 134 und nun also deren 305. In knapp 70 der Fälle handelte es sich um erlebte oder beobachtete Beschimpfungen oder Beleidigungen. 64 Personen erlitten laut dem am Freitag veröffentlichten «Hate Crime Bericht» körperliche Gewalt.
Fast die Hälfte aller Meldungen Fälle stammt aus dem Kanton Zürich (131). Wie im Vorjahr folgen darauf der Kanton Bern mit 36 Fällen, der Kanton St. Gallen mit 27 Fällen, der Kanton Aargau mit 22 Fällen und der Kanton Waadt mit 14 Fällen. 15 Prozent der «Hassdelikte» wurden bei der Polizei angezeigt.
305 Telefone klingeln in Bern
Mit einer Aktion mit dem Titel «305 Stimmen gegen den Hass» wollten die drei LGBTQ-Dachverbände am 17. Mai auf dem Berner Bundesplatz auf die «untragbare Situation» aufmerksam machen. 305 Telefone sollten gleichzeitig klingeln, stellvertretend für die bei der Helpline 2023 eingegangenen Meldungen.
Die Aktion bezeichnen die drei Organisationen in ihrer Mitteilung auch als «Weckruf». Die Politik müsse in diesem Bereich mehr tun. Es brauche breite Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen in der Gesellschaft. Auch Ausbildungen bei Strafverfolgungsbehörden und Opferhilfestellen seien nötig.
Zudem fehle es an Geld für Beratungs- und Unterstützungsangebote zugunsten betroffener Personen. Fast alle Angebote der LGBTQ-Dachverbände hingen von Spenden ab und seien «prekär finanziert».
Mehr Anfeindungen in Deutschland
Auch in Deutschland haben die Anfeindungen zugenommen. »Das gesellschaftliche Klima gegen queere Menschen hat sich im letzten Jahr nochmal deutlich verschärft«, sagte Mara Geri vom Deutschen Lesben- und Schwulenverband zum Tag gegen Homophobie am Freitag. Die offizielle Statistik dazu soll nächste Woche vorgelegt werden, berichtet der Spiegel.
Der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie geht auf den 17. Mai 1990 zurück. Damals beschloss die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten zu streichen.
SDA/van
Fehler gefunden?Jetzt melden.