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Ausbau der S-Bahn-Linie
Jetzt kommt die Doppelspur zwischen Herrliberg und Meilen

Hier ist es eng: Für ein zweites Gleis zwischen der Seestrasse und der General-Wille-Strasse (rechts) benötigen die SBB zusätzliches Land. 
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In der S 7 Richtung Zürich herrscht morgens oft ein Gedränge. Zwar hat sich die Situation etwas entspannt, da seit 2019 die neue S 20 den Berufsverkehr zu den morgendlichen und abendlichen Spitzenzeiten entlastet. Doch am rechten Seeufer sind sich praktisch alle einig: Es braucht den durchgehenden Viertelstundentakt. Mit einer Petition und Lobbying bis ins eidgenössische Parlament haben die Bevölkerung respektive die Politik dafür in den vergangenen Jahren Druck gemacht.

Nun geht es offenbar einen wichtigen Schritt vorwärts. Wie der Meilemer Gemeindepräsident Christoph Hiller und Tiefbauvorsteher Alain Chervet (beide FDP) am Montagabend anlässlich einer Informationsveranstaltung bekannt gaben, wollen die SBB einen Engpass zwischen den Bahnhöfen Herrliberg-Feldmeilen und Meilen beheben. «Die SBB nehmen nun den Doppelspurausbau in Angriff», sagte Hiller erfreut. Damit werde ein dichterer Fahrplan möglich.

Vorerst nur kleine Verbesserung

Die SBB bestätigen auf Anfrage den Sachverhalt. Vorgesehen ist der Ausbau per 2032. Mit dem Abschnitt zwischen Herrliberg und Meilen schliesst die Bahn eine Lücke am rechten Seeufer, denn künftig wäre dann der ganze Streckenabschnitt zwischen Zürich-Tiefenbrunnen und Uetikon doppelspurig. Einspurig verblieben lediglich noch die Abschnitte zwischen Uetikon und Stäfa sowie zwischen Uerikon und Rapperswil.

Ein durchgehender Viertelstundentakt am ganzen rechten Seeufer ist damit aber laut SBB noch nicht möglich. Dafür brauche es das vierte Gleis im Bahnhof Stadelhofen sowie den zweiten Riesbachtunnel bis zum Bahnhof Tiefenbrunnen. Beides könnte gegen 2037 in Betrieb gehen. Erst danach ist der 15-Minuten-Takt zwischen Zürich und Stäfa möglich.

Eine kleine Verbesserung bringt der neue doppelspurige Abschnitt aber bereits vorher. Dank ihm endet die S 16 künftig nicht mehr in Herrliberg-Feldmeilen, sondern erst in Meilen. Zusammen mit der S 6 würde dann ab Meilen jede Viertelstunde ein Zug mit Halt an allen Stationen nach Zürich verkehren. Nimmt man die S 7 hinzu, die jede halbe Stunde von Meilen direkt zum Bahnhof Stadelhofen verkehrt, würden dann ab Meilen sechs Züge pro Stunde Richtung Zürich fahren.

SBB müssen Land erwerben

Gemäss dem Terminplan, der dieser Zeitung vorliegt, haben die SBB bereits mit dem Vorprojekt für den Doppelspurausbau begonnen. Noch sind aber einige Fragen offen – vor allem, weil dem Bahnunternehmen der Platz für ein zweites Gleis zwischen der Seestrasse und der parallel dazu verlaufenden General-Wille-Strasse fehlt. Es will daher Land erwerben. Im zweiten Halbjahr sollen die betroffenen Grundeigentümer zu einer Informationsveranstaltung eingeladen und Verhandlungen aufgenommen werden. Auswirkungen hätte der Bau des zweiten Gleises insbesondere auf die General-Wille-Strasse, deren Verlauf angepasst werden müsste.

Der Zeitplan sieht vor, dass die SBB im Idealfall die Genehmigungsverfahren bis Ende 2027 abschliessen und dann mit dem Bau beginnen können. Die Arbeiten dauern mindestens vier Jahre, sie wären also frühestens 2032 abgeschlossen. Das Projekt, dessen Kosten noch unbekannt sind, hat somit einen langen Zeithorizont. Es wird nun aber konkreter, nachdem in der Vergangenheit jeweils nur vage vom Ausbauschritt 2035 die Rede gewesen war.

Es braucht neue Brücken

Ein Grund für die lange Dauer des Projekts dürften nebst den komplexen Genehmigungsverfahren und dem notwendigen Landerwerb auch die engen Verhältnisse entlang der Bahnlinie sein. Die SBB müssen auf der 2,5 Kilometer langen Strecke zwischen Meilen und Herrliberg-Feldmeilen diverse Brücken erweitern oder ersetzen. Hinzu kommen Anpassungen am Bahnhof Meilen wie die Verbreiterung des Mittelperrons und die Verbesserung der behindertengerechten Zugänge mit Rampen und Liften.

Die neuste Errungenschaft der SBB aus dem Jahr 2019 wiederum wird verschwinden beziehungsweise in die neue Doppelspur integriert werden: das sogenannte Wendegleis beim Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen. Es wurde für die S 16 gebaut, für die hier Endstation ist. Dadurch können auf den anderen beiden Gleisen im Bahnhof die Züge passieren, was die Einführung der morgendlichen und abendlichen Entlastungslinie S 20 überhaupt erst ermöglichte.

Wendegleis sorgt für Ärger

Bei den Anwohnern ist das Wendegleis allerdings unbeliebt, weil die stehenden Zugskompositionen schnaufende und zischende Geräusche von sich geben. Deswegen haben sie sich juristisch zur Wehr gesetzt. Für die Anrainer dürfte der Ausbau der Doppelspur somit ebenfalls eine Änderung mit sich bringen: weniger stehende Kompositionen vor Ort, dafür mehr Züge, die an ihren Wohnungen vorbeirauschen.