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Die fabelhaften Blaser-Zwillinge
Zwei rockende Brüder, eine Mission

Zwei Männer mit lockigem Haar und Brillen posieren lächelnd vor einer gelben Wand, beide tragen schwarze Hemden.
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In Kürze:
  • Die Blaser-Zwillinge feiern ihren 50. Geburtstag mit einem Konzert ihrer Band Guitar Explosion.
  • Chrigu Blaser präsentiert erstmals als Bandleader sein Soloprogramm mit Gitarrenklassikern der 70er-Jahre.
  • Mit detailgetreuen Interpretationen von Rockklassikern begeistern die Musiker das ältere Publikum.
  • Die achtfache Bandmitgliedschaft führt bei Chrigu zu rund achtzig Konzerten pro Jahr.

«Danke, dass ihr das mit uns zelebriert», sagt der schlanke Mann im schwarzen Westernhemd. Mehrere Hundert Leute sind am Donnerstagabend in die ausverkaufte Mühle Hunziken gepilgert, um ihm und seinem Zwillingsbruder zu gratulieren.

Chrigu und Matthias «Willi» Blaser feiern ihren 50. Geburtstag mit einem Auftritt ihrer Band Guitar Explosion. Das Publikum singt «Happy Birthday», später stossen Familie und Zugewandte auf der Mühle-Bühne mit ihnen an.

Doch eigentlich hat Chrigu Blasers Dank nichts mit der Geburtstagsparty zu tun. Zelebriert wird der Gitarrenrock der 1970er-Jahre, dem sich die beiden Berner Musiker mit Haut und Haar verschrieben haben.

«1973 ist unser Jahr»

«Ja, wir sind auf einer Mission», antwortet Willi Blaser auf eine entsprechende Frage. «Auch wenn das etwas hochgeschraubt tönt.» Auf Pomp und Theatralik stehen die Blaser-Brüder eher weniger. Es ist der erdige Rock der frühen Siebziger, der es ihnen angetan hat.

«1973 ist unser Jahr», meint Chrigu, der erst zwei Jahre später geboren wurde. «Nie wieder wurde so viel gute Musik veröffentlicht.» Nach einer gemeinsamen frühen Leidenschaft für Elvis Presley (dem sie am Geburtstagskonzert mit «Guitar Man» die Reverenz erweisen) waren schwere Bluesrockbands wie Led Zeppelin und The Black Crowes erste Rollenmodelle.

Blaser Zwillinge mit Band auf der Bühne in der ausverkauften Mühle Hunziken, Bern, am 3. April 2025. Publikum füllt den Raum.

Woher die Leidenschaft für den traditionellen Rock kommt, der ja vor der Jugendzeit der Zwillinge angesagt war, lässt sich heute nur noch schwer rekonstruieren. Vielleicht war es das musikaffine Umfeld, der Kassetten-Sound im Familienauto, der bei Ausflügen lief.

Vom drummenden Vater Andreas, der als Tanzmusiker semiprofessionell unterwegs gewesen war, wurden die in Burgdorf und Worb aufgewachsenen Brüder schon früh gefördert. Es folgten Schülerbands und erste eigene Gehversuche mit Bands wie T-Bone und der Mundart-Progrock-Formation Vollmond.

Hier spielten die Brüder eigene Songs. Willi etablierte sich als Schlagzeuger und Sänger, Chrigu wurde zu einem der gefragtesten Gitarristen der Berner Szene.

Erstmals Bandleader

In der Mühle präsentiert Chrigu Blaser sein Soloprogramm «Guitar Explosion», mit dem er erstmals als Bandleader und Hauptsänger auftritt.

Nachdem er bereits mit den Bands Led Airbus (Led Zeppelin) und The How (The Who) in die Rolle der jeweiligen Leadgitarristen Jimmy Page und Pete Townshend geschlüpft war, interpretiert er nun relaxtere Songs von Eric Clapton, Dire Straits und deren gemeinsamem Einfluss J.J. Cale.

«Sultans of Swing» von Dire Straits war stets eine seiner Paradenummern. Weil er vom Publikum immer wieder darauf angesprochen wurde, zündete dieses Lied vor fünf Jahren die Lunte zu «Guitar Explosion», die Chrigus Schritt aus dem Sideman-Schatten ermöglichte.

Blaser Zwillinge mit Band performen vor ausverkauftem Publikum in der Mühle Hunziken, Bern, am 3. April 2025.

Rasch wurde klar, dass er damit beim Publikum auf offene Ohren stösst. Am Schlagzeug sitzt wieder Bruder Willi. «Das ist das Tolle, wenn man einen Zwillingsbruder hat: Wir teilen den Geschmack», lacht Chrigu. Zur Band gehören der Keyboarder Andreas Studer und der Bassist Maximilian Nyafli, beides sattelfeste Musiker, die ein solides Fundament für Blasers ausgedehnte Gitarrenausflüge legen.

Die Liebe zum Detail

Aber wie kommt man dazu, seine Energie und musikalische Kreativität vorbehaltlos in den Dienst von anderen zu stellen, deren Schaffen man nahe am Original interpretiert? (Eine Frage, die man in der klassischen Musik nie stellen würde.) «Wir sind nicht einfach eine Coverband, die querbeet spielt. Uns geben die Songs, die wir interpretieren, dermassen viel, dass wir das mit einer ganz anderen Liebe zum Detail angehen», sagt Willi. «Und diese Hingabe wollen wir mit dem Publikum teilen.»

Blaser Zwillinge mit Band auf der Bühne in der ausverkauften Mühle Hunziken in Bern, beleuchtet von bunten Lichtern, aufgenommen am 3. April 2025.

Auch wenn sich die Blaser-Brüder die Freiheit nehmen, eine eigene Note in ihre Covers zu geben, sind die Grenzen eng. «Du musst die Erwartungen erfüllen», weiss Chrigu aus eigener Erfahrung. «Als ich das Solo beim Led-Zeppelin-Song ‹Stairway to Heaven› einmal nicht notengetreu spielte, meldete sich sofort die Zeppelin-Polizei.»

Unerwarteter Lichtblitz

In der Mühle Hunziken ist keine Stil-Polizei in Sicht. Das Publikum ist im Schnitt um einiges älter als die Jubilare, lässt sich willig treiben im dichten Sound und ruft Erinnerungen an die klassischen Rockjahre ab.

Chrigu Blaser wechselt die Stile wie die Gitarren und hat die Lage jederzeit unter Kontrolle. Als Sänger kommt ihm entgegen, dass er Songs von Musikern interpretiert, die in erster Linie singende Gitarristen sind, so wie auch er seine eigene Rolle sieht.

Schlagzeuger der Blaser Zwillinge Band bei einem Konzert in der Mühle Hunziken in Bern.

Immer wieder wird er von seinem Bruder Willi unterstützt – und überhaupt sind die Chorgesänge ein unerwarteter Lichtblitz im Gitarrengewitter. Als Solist begegnet Blaser den Originalen auf Augenhöhe: Wer auf den singend-sengenden Sound von Stromgitarren steht, leidet hier keinen Mangel.

Kein Hochleistungssport

Es mag sein, dass die E-Gitarre aus einer anderen Epoche stammt und deshalb aus der Zeit gefallen ist. Chrigu Blaser kümmert das wenig. «Ich will den Leuten Freude machen, und es gibt für mich nichts Besseres.» Gerade jetzt, wo die Zwillinge das 50. Lebensjahr (ein «Benchmark», sinniert Willi) überschritten haben, mache es Sinn, dass sie für den Gitarrenrock in die Bresche springen.

«Heute haben wir die Power und die Agilität», sagt Willi. «Aber sie hält nicht ewig.» Die Originale, welche die Blaser-Brüder interpretieren, sind entweder tot oder im fortgeschrittenen Alter – Eric Clapton hat eben seinen 80. Geburtstag gefeiert. Auf der Konzertbühne ist mit ihnen in absehbarer Zeit nicht mehr zu rechnen.

Mitglied der Blaser Zwillinge mit Gitarre bei einem Konzert in der ausverkauften Mühle Hunziken in Bern. (Foto: Simon Boschi)

«Ich fühle mich wie 35», sagt Chrigu, der in acht Bands aktiv ist und rund achtzig Konzerte pro Jahr spielt. Sein Bruder Willi, der auch als Karikaturist und Grafiker arbeitet, geht es etwas ruhiger an. «Es ist die Dosis, die das Gift macht», meint er. «Wir haben immer Musik gemacht, aber nie als Hochleistungssport. Wir mussten uns nie kaputtmachen.» An musikalischen Aktivitäten wird es den Blaser-Zwillingen auch in Zukunft nicht fehlen.

Die nächsten «Guitar Explosion»-Konzerte: am 15. Mai im Mokka in Thun und am 22. Mai im Bären Münchenbuchsee.