Balkonpflanze mit ZukunftGeranien sind wieder cool. So pflegen Sie die Blumen das Jahr hindurch
Die einst als Grosi-Blume abgewertete Zierpflanze ist beliebter denn je. Der Klimawandel kommt ihr entgegen.

- Pelargonien eignen sich besonders gut für trockene Klimabedingungen der Zukunft.
- Die robusten Balkonpflanzen gelten als wichtiger Teil des Schweizer Kulturguts.
- Trotz neuer Konkurrenz bleiben Geranien die beliebtesten Saisonpflanzen im Land.
Es war die Eleganz von rosenblütigen Geranien, die Gabriel Hess in ihren Bann zog. In seinem Lehrbetrieb sah er zum ersten Mal spezielle Pro-Specie-Rara-Geranien, und der damals 16-jährige Zierpflanzengärtnerlehrling realisierte, wie viele verschiedene Geranien es eigentlich gibt. «Da zog es mir den Ärmel rein», erinnert er sich.
Er begann zu sammeln und übernahm unter anderem viele Sorten vom bekannten Geranienexperten Manfred Wyss aus Zell, der sein Geschäft aufgab. Heute vermehrt Hess in seiner eigenen kleinen Gärtnerei selber Geranien und beobachtet die gleiche Reaktion, wenn Pflanzenfans an seinem Marktstand in Solothurn vorbeikommen: Geranien kennt jeder – aber solche mit duftenden, panaschierten oder nadelförmigen Blättern? Oder solche mit tulpenförmigen oder geschlitzten Blüten? «Vielfalt zieht an», sagt Gabriel Hess.
Nur die Vielfalt? «Pelargonien haben eine grosse Zukunft», ist Christian Weber, Präsident des Schweizerischen Pelargonienvereins, überzeugt. Pelargonien, wie Geranien botanisch korrekt eigentlich heissen, die umgangssprachlich aber weiterhin Geranien genannt werden, böten genau das, was im Zuge des Klimawandels gefragt sei: «Sie ertragen Trockenheit, kommen auch mal mit kühleren Nächten zurecht und sind allgemein sehr zäh», fasst Weber zusammen.
Eine Pflanze für die Reichen
Das hängt mit der Herkunft dieser Gattung zusammen. Nirgendwo wachsen in der Natur so viele Geranien wie in Südafrika. Dort findet man sie in kargen Gebieten, in denen es nur selten regnet. Es ist diese Fähigkeit, mit wenig Wasser auszukommen und trotzdem zu blühen, die die Geranien zu beliebten Balkonpflanzen gemacht hat. Aus den rund 280 existierenden Wildarten wurden unzählige Sorten gezüchtet, die von Mai bis Oktober das Fensterbrett schmücken.
Wann genau die ersten Geranien in der Schweiz ankamen, ist nicht bekannt. Im 1715 erschienenen Buch «Eydgnössischer Lust-Garte» des Zürcher Chirurgen Johann von Muralt findet sich der erste Hinweis, dass Geranien auch in Schweizer Gärten Einzug gehalten haben. Der eigentliche Durchbruch als Zierpflanze gelang zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als reich blühende, robuste Sorten mit intensiven Farben auf den Markt kamen, wie Luc Lienhard und Beat Hächler im Buch «Unser Geranium» schreiben. Erst konnten es sich vor allem Gutbetuchte leisten, mit Geranien ihre Anwesen zu schmücken. Doch da sich die Pflanzen leicht vermehren lassen, durften Bedienstete Stecklinge mit nach Hause nehmen – so fanden immer mehr Geranien den Weg aufs Land.

Verschönerungsvereine förderten schliesslich den attraktiven Blumenschmuck in Stadt und Land, um der wachsenden Zahl von Touristen schöne Kulissen bieten zu können. Schon bald gehörte das Geranium zur Schweiz wie der Alpkäse und das Alphorn. In Bern wurde 1957 sogar ein spezieller Graniummärit ins Leben gerufen, der seither jedes Jahr stattfindet. An den neuen Züchtungen waren auch Schweizer Gärtner beteiligt.
Zwei Farben fehlen noch
Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wurde das Geranium jedoch je länger, je mehr zum Symbol für das Spiessbürgertum. Wer welche vor den Fenstern hatte, galt als bieder.
Der Klimawandel, viele neue Sorten und neue Ansätze beim Gestalten mit Geranien bringen das einst verachtete Blüemli zurück in die Herzen der Schweizerinnen und Schweizer. Beliebt sind laut Pelargonienexperte Christian Weber Duftpelargonien, deren Blätter nach Zitrone, Orange oder Schokolade duften. Auch Wildarten sind gefragt, die sich selber reinigen und deren zarte Blüten gut mit anderen Pflanzen harmonieren.
Auch die Stiftung Pro Specie Rara hat mitgeholfen, die Geranien in ein neues Licht zu rücken, sodass diese Balkonpflanzen heute sogar als Teil des Schweizer Kulturguts gelten. Die Stiftung wandte sich 2011 mit einem Aufruf an die Bevölkerung und fragte nach alten Geraniensorten.
Heute kümmert sich die Organisation um den Erhalt von 74 verschiedenen Balkongeranien mit Namen wie «Schmittenköbu», «Morgenlicht» oder «Stadt Bern». Obwohl in den vergangenen Jahren auch andere, ähnlich pflegeleichte Balkonpflanzen auf den Markt kamen, wie zum Beispiel die Dipladenia, bleibt das Geranium an der Spitze des Absatzmarktes im Bereich Saisonflor, wie der Unternehmerverband Gärtner Schweiz (Jardin Suisse) auf Anfrage bestätigt. Jedes Jahr kommen weitere, neue Züchtungen auf den Markt.
Nur gelbe oder blaue Sorten fehlen noch. «Darauf warten wir schon lange», sagt Vereinspräsident Christian Weber. Wer weiss, was noch alles in Grossmutters Balkonerbe steckt.
So pflegt man die Dauerblüher
Nicht alle Geranien brauchen die gleiche Pflege. Wildarten sind viel pflegeleichter, da man sie kaum düngen und weniger ausbrechen muss. Denn nach der Blüte bildet sich ein Samenstand, der durch die von hinten nachwachsenden Triebe abgestossen wird.
Diese sogenannte Selbstreinigung gibt es bei den Zuchtformen nicht. Die gezüchteten Sorten müssen deshalb von Hand gesäubert werden. Und weil sie auf eine lange und intensive Blüte gezüchtet wurden, brauchen sie auch mehr Dünger.

Frühling: Im Februar/März werden die Pflanzen in ihrem dunklen Winterquartier auf drei bis vier Augen (Knospen) zurückgeschnitten. Alle trockenen Pflanzenteile werden ebenfalls weggeschnitten. Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt zum Umtopfen oder um die Geranien mit frischer Erde zu versorgen. Beim Umtopfen sollte der Wurzelballen verkleinert werden, damit wieder neue Wurzeln wachsen können. An frostfreien Tagen können die Geranien wieder ans Licht gestellt werden, damit die Knospen antreiben.
Sommer: Zu Beginn der Saison und ein weiteres Mal im August werden die Geranien mit einem organischen Dünger versorgt. Während der Blütezeit sollten dürre Blätter und welke Blüten laufend entfernt werden, damit die Pflanze weiter zum Blühen angeregt wird. Geranien können Hitze sowie ab und zu Trockenheit zwar gut wegstecken. Trotzdem sollten sie regelmässig gegossen werden.
Herbst/Winter: Vor dem ersten Frost die Geranien ins Winterquartier holen, am besten an einen dunklen und kühlen Ort (bei zwei bis fünf Grad). Die Pflanzen auf circa zehn Zentimeter zurückschneiden. Ebenfalls sämtliche dürren Blätter und Stängel entfernen, damit sich keine Pilzkrankheiten bilden können. Die Erde sollte im Winter nie komplett austrocknen.
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