Eine Million Seiten sind das Ziel
Der Start zum Horgner Lesemarathon in der «Alten Schule» am Mittwochabend begeisterte. Zu Wort kamen die beiden Initiantinnen des Weltrekordversuchs sowie Autorin Hanna Steinegger. Moderiert wurde der Anlass von Hugo Bigi.
Liz Holdener und Monika Sigrist joggen mit einem Buch in der Hand vor rund 60 Gästen auf der Bühne der Alten Schule in Horgen im Kreis herum. Es ist ein symbolischer Akt: Lesen ist das Ziel – eine Million Seiten sollen es innerhalb eines Monats sein und damit ein Weltrekord. Klar ist, dass dafür ein Marathon hinzulegen ist.
Nach dem unüblichen Start in die Veranstaltung betritt Hugo Bigi die Bühne. Die beiden Läuferinnen werden langsamer. Sie freuen sich, dass der Kommunikationsfachmann und langjährige Tele-Züri-Moderator aus Thalwil ihr Tun mit dem abgeänderten Slogan «Luege, läse, laufe» wertschätzt. Dann meldet sich Gemeinderätin Daniela Mosbacher, Vorsteherin Ressort Finanzen (FDP), zu Wort. Sie traut es den Horgnerinnen und Horgnern durchaus zu, den Weltrekord zu schaffen, auch wenn die Latte hochgelegt sei. Sie selber lese gerne Krimis und habe immer ein Buch in Reichweite.
Idee kam unter der Dusche
Und wieder kommt Hugo Bigi zum Einsatz: Er entlockt den beiden Organisatorinnen weitere Informationen zum ungewöhnlichen Wettbewerb. Monika Sigrist erzählt, dass ihr die Idee zum Lesemarathon unter der Dusche gekommen sei. Ihr Ziel sei es, Jung und Alt auf unkonventionelle Art zum Lesen zu motivieren. Sie sagt: «Eine Welt ohne Bücher ist wie ein Fussballspiel ohne Ball.»
Auch Liz Holdener, Detaillistin in Horgen, engagiert sich gerne für neue Ideen und fühlt sich dabei unterstützt: Immer wieder habe sie die Horgner Bevölkerung als aufgeschlossen und begeisterungsfähig erlebt. Sie erinnerte an einige Eckpunkte des Projekts: An vierzehn öffentlichen Standorten kann bis zum 15. Juni, 12 Uhr gelesen werden. Das «Resultat» der Lesenden, also Datum, Buchtitel, Autor, Dauer der Lesezeit und Anzahl der gelesenen Seiten wird dann in den persönlichen Lesepass eingetragen. Die für den Standort verantwortliche Person visiert zum Schluss das Faltblatt und versieht es mit einem Stempel.
Monika Sigrist denkt bereits an den Schluss des Projektes: Nach Ablauf der Frist wird sie mit allen Lesepässen beim Notar vorsprechen und die Zahl der Seiten für den hoffentlich erreichten Weltrekord beglaubigen lassen.
Historische Romane
Gespannt warteten die Gäste an diesem Abend auf Hanna Steinegger: Die ehemalige Gymnastiklehrerin und heutige Autorin las am Eröffnungsevent des Lesemarathons aus ihrem neusten historischen Roman «Der unheilvolle Kuss». Im vorgetragenen Textausschnitt beschrieb sie die Geburt eines Kindes. Der Start ins Leben war im 18. Jahrhundert oft beängstigend und existenzbedrohend. Es mangelte insbesondere an sauberem Wasser und Hygiene. Längst nicht alle Kinder erreichten das Erwachsenenalter. Wer aufwuchs, erlebte oft harte Körperstrafen. Armenhaus und Verdingkinder gehörten zum Alltag. Für alle drei bisher erschienenen historischen Romane musste Hanna Steinegger viel lesen, sprich aufwendig recherchieren. Damit war der Bogen zum Lesemarathon wieder geschlagen.
Einsatz in den Schulen
Beim anschliessenden Apéro im Freien waren die Leute erneut am Rechnen: Tausend Leute müssen je tausend Seiten lesen, um das Ziel zu erreichen. Ist dies überhaupt zu schaffen? Erika Studer, Co-Leiterin der Horgner Gemeindebibliothek, ist zuversichtlich. Wie andere Votanten setzt sie massgeblich auf die Horgner Schulen, die grossmehrheitlich beim Lesemarathon mitmachen. Geschätzt wird, dass rund die Hälfte der zu lesenden Seiten in Schulen geleistet wird. Das Lesen wird dank diesem originellen Anlass also schon bei den Jungen und Jüngsten gefördert werden.
Weitere Informationen im Internet auf www.facebook.com/HorgnerLesemarathon.
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