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Störung der Zürcher Notrufnummern
117 war wieder tot, aber diesmal nicht wegen der Swisscom

Im Notfall war die Kantonspolizei stundenlang nur noch via Handynummer erreichbar.
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Viele Zürcherinnen und Zürcher beschlich am Dienstagmorgen ein ungutes Déjà-vu: kein Durchkommen bei den Notrufnummern 117 und 112; wegen einer technischen Störung waren die kantonalen Notrufzentralen nicht erreichbar – respektive nur noch über eilends eingerichtete Ersatz-Handynummern. So was hatte es doch in jüngster Zeit schon ein paar Mal gegeben. Ein paar Mal zu viel.

Tatsächlich waren im Frühjahr 2020 mindestens dreimal innert weniger Monate die Notrufnummern in weiten Teilen der Deutschschweiz ausgefallen. Die Schuldige war jeweils schnell ausgemacht: die Swisscom. Die Notrufzentralen sind an ihr Netz angeschlossen, das Unternehmen muss sicherstellen, dass Unfälle und Verbrechen jederzeit via Notrufnummer gemeldet werden können. Eine Pflicht, die es wegen grober Störungen im Netz vor einem Jahr nicht mehr verlässlich erfüllen konnte. Das Problem wurde damals bei der schnell wachsenden Internettelefonie verortet.

Deshalb machte der neuerliche Vorfall in Zürich am Dienstag auch die Politiker in Bern hellhörig. Die Kommission fürs Fernmeldewesen hatte im vergangenen Sommer nach der Pannenserie den Swisscom-Chef Urs Schaeppi zitiert – und dieser hatte von einer Kette unglücklicher Umstände gesprochen, die sich nicht wiederholen werde. Vorschnell?

Problem lag wohl bei der Polizei

Die Swisscom hat den neuerlichen Fall überprüft und kommt zum Schluss: Auf ihrer Seite hat diesmal «in Bezug auf die Notrufe alles funktioniert». Alle Notrufe sind der Zürcher Kantonspolizei also zugestellt worden, müssen dort aber wegen einer Störung in deren eigener Infrastruktur verpufft sein. Dies war von 4.30 Uhr bis kurz vor 9 Uhr der Fall. Polizeisprecher Florian Frei bestätigte am Dienstagabend, alle Hinweise deuteten darauf hin, dass das Problem diesmal auf Seite der Kantonspolizei lag. Details könne er nicht nennen, da es sich um ein sicherheitsrelevantes System handle.

Offen bleibt vorderhand auch, wie viele Notrufe wegen der Störung nicht an die Polizei gelangten: Während der Zeit des Ausfalls sind laut Frei über die Ersatznummern weniger als 50 Meldungen eingegangen – es ist aber unbekannt, wie viele es bei Normalbetrieb im gleichen Zeitraum gewesen wären.

«Die Fehlerquellen wurden behoben»

Die schlechte Nachricht vom Dienstagmorgen ist also: Das wichtige Notrufsystem hat sich erneut als verwundbar erwiesen. Die gute Nachricht ist: Die Gründe sind wenigstens nicht die gleichen wie vor einem Jahr. Das damalige Problem scheint die Swisscom im Griff zu haben. Dieser Ansicht ist auch das Bundesamt für Kommunikation, das eine Untersuchung eingeleitet hatte: «Die Fehlerquellen wurden so weit behoben, dass sich kein identischer Ausfall mehr ereignen sollte», teilt ein Sprecher auf Anfrage mit.

Politisch ist die Sache noch nicht ganz ausgestanden: Erst kürzlich ist in Bern ein Vorstoss eingereicht worden, der verlangt, dass bei den Notrufnummern per Gesetz eine «Systemführerschaft» beschlossen wird. Wenn es wegen Pannen zu Problemen kommt, soll klar sein, wer dafür verantwortlich ist.

Probleme auch in Winterthur

Apropos: Bei der Stadt Winterthur, einer Swisscom-Kundin, ist genau 24 Stunden vor dem Problem bei der Kantonspolizei die Telefonzentrale ausgefallen. Darauf war auch die Stadtpolizei für längere Zeit nur über Handynummern erreichbar. Die Notrufnummern 117 und 112 waren von dieser Störung aber nicht tangiert. Die Swisscom weist denn auch darauf hin, dass zwischen den Ereignissen von Montag und Dienstag kein Zusammenhang bestehe. Grund der Störung in Winterthur sei ein Synchronisationsproblem zwischen zwei Servern gewesen, teilt eine Sprecherin mit. «Unser Zulieferer, der für den Betrieb verantwortlich ist, konnte dieses rasch beheben.»