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Turnskandal in Italien
Trainerin soll Mädchen gezwungen haben, sich auszuziehen

Sofia Raffaeli aus Italien küsst Juletta Cantaluppi, während sie die Goldmedaille bei der Rhythmischen Gymnastik WM 2022 in Sofia, Bulgarien, hält.
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In Italiens Turnsport zieht ein Skandal um Missbrauchsvorwürfe weite Kreise. Nach der Entlassung der langjährigen Nationaltrainerin in der Rhythmischen Sportgymnastik, Emanuela Maccarani, gibt es jetzt auch schwere Vorwürfe gegen die ehemalige Juniorinnen-Nationaltrainerin Julieta Cantaluppi. Diese arbeitet inzwischen für den israelischen Verband.

Nach italienischen Zeitungsberichten soll sie Turnerinnen bei Fehlern im Training gezwungen haben, sich nahezu völlig auszuziehen und niederzuknien. Die «Gazzetta dello Sport» und andere Blätter stützen sich dabei auf Vernehmungs- und Abhörprotokolle aus den Ermittlungen gegen Maccarani. Auch die Gymnastin Sofia Raffaeli (21), die bei den Olympischen Spielen in Paris die Bronzemedaille gewann und 2022 Weltmeisterin wurde, soll darunter gelitten haben.

Turnerinnen auch eingesperrt

Die ersten Vorwürfe gegen Maccarani kamen bereits vor drei Jahren an die Öffentlichkeit. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die heute 58-Jährige wegen Misshandlung und psychischer Demütigungen. In den Abhörprotokollen findet sich nun auch der Mitschnitt eines Telefonats einer anderen Trainerin, Maccaranis Stellvertreterin Olga Tishina.

Demnach sagte Tishina im November 2022 zu einer anderen Trainerin über Cantaluppi: «Bei ihr ist alles viel schlimmer. Bei ihr gibt es Misshandlungen. Sie hat Raffaeli und Serena Ottaviani den Reifen werfen lassen. Und jedes Mal, wenn sie den Wurf nicht schafften, mussten sie ein Kleidungsstück ausziehen. Und am Ende standen sie in Unterwäsche da.» Zudem seien die Sportlerinnen in einen kleinen, kalten Raum gesperrt worden, wenn sie schlecht trainierten.

Abfällige Äusserungen von Funktionären

Die beiden genannten Athletinnen waren damals noch minderjährig. Von der früheren Juniorinnen-Trainerin gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Gegen Cantaluppi wird bislang auch nicht ermittelt. Frühere Ermittlungen gegen Tishina wurde eingestellt. Dem Bericht der «Gazzetta dello Sport» zufolge sollen sich zudem Verbandsfunktionäre in Telefonaten mehrfach abfällig über Turnerinnen geäussert haben, teils auch mit sexuellem Unterton.

Deutsche Verbands-Vizepräsidentin tritt zurück

Auch in Deutschland sorgt seit Weihnachten ein Turn-Skandal für Aufsehen und Empörung. Inmitten der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals gibt es personelle Konsequenzen an der Spitze des Deutschen Turner-Bundes (DTB). Ulla Koch tritt als Vizepräsidentin zurück, wie der DTB mitteilte. Die 69 Jahre alte Rheinländerin hatte ihr Amt bereits seit Ende Januar aufgrund der Debatte über Missstände im deutschen Turnen ruhen lassen.

«Nach reiflicher Überlegung und um zu verhindern, dass durch dieses Ruhenlassen die Bereiche, für die ich als Vizepräsidentin verantwortlich gezeichnet habe, stellvertretend weiterhin mitgestaltet werden müssen, möchte ich von meinem Amt zurücktreten», sagte Koch laut Mitteilung. «So kann der Weg für eine Nachfolge frei gemacht werden».

Koch war seit November 2021 Vizepräsidentin des DTB und von März 2005 bis September 2021 als Cheftrainerin für das Frauenturnen im DTB zuständig. Seit Ende Dezember gibt es zahlreiche öffentliche Stellungnahmen, in denen ehemalige Turnerinnen und Turner Missstände an deutschen Stützpunkten kritisierten. Es geht vor allem um harsche und autoritäre Trainingsmethoden, systematischen körperlichen und mentalen Missbrauch sowie katastrophale Umstände.

DPA/heg