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Gemeindeversammlung Oberrieden
Standing Ovation und Tränen zum Abschied des Gemeindepräsidenten

Martin Arnold ist als begnadeter Redner bekannt. Am Mittwochabend wurde der zurücktretende Gemeindepräsident jedoch von seinen Emotionen übermannt. 
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Es war eine spezielle Gemeindeversammlung, der die fast 100 Stimmberechtigten in Oberrieden am Mittwochabend beiwohnten: Noch ein letztes Mal führte Gemeindepräsident Martin Arnold (SVP) nach seinem überraschenden Rücktritt durch die traktandierten Geschäfte. 

Zum 58. Mal und in gewohnter Effizienz trug er die Anträge des Gemeinderates vor. Im Anschluss an die Versammlung richtete Martin Arnold, der im Dorf auch als begnadeter Redner bekannt ist, sein Wort an die Bürgerinnen und Bürger sowie an den Gemeinderat und wollte sich verabschieden.

Zeit zu gehen

Die gewohnte Gelassenheit des Gemeindepräsidenten fiel dabei in sich zusammen. Martin Arnold konnte seine Emotionen nicht mehr kontrollieren und brach in Tränen aus. Als seine Stimme gänzlich versagte, halfen ihm die anwesenden Stimmbürgerinnen und -bürger – sie brachen in tosenden Applaus aus und erhoben sich von ihren Stühlen, bis sich Arnold wieder fassen konnte.

Unter Tränen sagte er: «Das Gemeindepräsidium ist das schönste Amt, das man haben kann. Ich habe es immer mit Freude gemacht und hoffe, dass ich das Amt mit Demut ausgeübt habe.» Nun sei es Zeit zu gehen und das Amt in neue Hände zu übergeben, brachte er noch hervor, bevor seine Stimme erneut abbrach.

Woraufhin Vizepräsident Urs Klemm (parteilos) das Wort für eine Dankesrede ergriff. «Über Martin lässt sich ein Buch schreiben», sagte er. Jedes Mal vor der Gemeindeversammlung habe er von Martin Arnold ein Manuskript erhalten. «Für den Fall, dass er unters Tram kommt.» Dies zeige, mit welcher Ernsthaftigkeit Arnold sein Amt ausgeführt und sich für das Dorf eingesetzt habe.

Immer wenn es ein Problem gab, habe man auf Martin zählen können. «Martin, du bist Oberrieden», sagte Klemm zum Schluss und umarmte Arnold nach seiner letzten Gemeindeversammlung lange. 

«Komplexität gestiegen»

Dem vorausgegangen war eine ungewöhnlich lange Gemeindeversammlung mit vielen Wortmeldungen und Kritik aus den Reihen der Anwesenden. Zum einen stand in Oberrieden die Kostenübernahme für die Stiftung Amalie Widmer zur Diskussion. Die Stiftung betreibt drei Alterseinrichtungen in Horgen und benötigt aufgrund eines Pandemie-Defizits rund eine Viertelmillion Franken von der Gemeinde. Diesem Antrag wurde ohne Gegenstimmen zugestimmt. 

Brisanter war die Erhöhung der Behördenentschädigung. Weil die Komplexität und die Ansprüche zugenommen hätten, sei es gerechtfertigt, die Löhne nach drei Legislaturen anzupassen, erklärte der Gemeindepräsident.

«Lohnerhöhung von 25 Prozent»

Ganz anders sah dies die Rechnungsprüfungskommission: RPK-Präsident Orlando Vanoli (Die Mitte) sagte: «Hochgerechnet geht es um eine Lohnerhöhung von 25 Prozent», rechnete er unter anderem vor. «Sie, liebe Stimmbürger, dürfen als Arbeitgeber diesem Antrag Ihrer Angestellten nicht zustimmen», appellierte er. 

Adrian Wegmann, Präsident der SVP Oberrieden, der an diesem Abend mehrmals das Wort ergriff und bissige Kommentare auf Seiten des Gemeindepräsidenten erntete, wollte wissen, wie viele im Saal von diesen verbesserten Löhnen profitieren würden. Die anwesenden Gemeinderäte – welche in dieser Sache ebenfalls stimmberechtigt waren – erhoben die Hände. Der Antrag wurde nach zweimaligem Auszählen schliesslich mit 49 Ja- zu 40 Nein-Stimmen angenommen. 

«Dunkle Wolken bilden sich»

Der Gemeinderat beantragte zudem, das Budget für 2023 mit gleichbleibendem Steuerfuss von 88 Prozent und einem Ertragsüberschuss von einer halben Million Franken gutzuheissen.

Die RPK empfahl das Budget zwar zur Annahme, warnte aber: «Dunkle Wolken bilden sich am Horizont, die Verschuldung steigt wieder an», sagte Vanoli. Eine Steuerfusssenkung wurde aus den Reihen der Stimmberechtigten verlangt, diese wurde aber abgelehnt. Das unveränderte Budget wurde schliesslich angenommen.