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Krise beim Detailhändler
Nach «inakzeptablen persönlichen Angriffen»: Umstrittener Migros-Manager tritt per sofort zurück

Jörg Blunschi steht in einem Anzug vor einer Tafel mit der Aufschrift ’Alnatura Erleben’. Er lächelt und hat eine Brille auf.
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In Kürze:
  • Jörg Blunschi tritt als Präsident der Migros Aare ab.
  • Blunschis frühere Fehlentscheidungen verursachten finanzielle Verluste bei der Migros Zürich. Trotzdem wechselte er im Juni 2024 zur Migros Aare.
  • Blunschis Wahl sorgte für Kritik und Unverständnis.
  • Die Migros plant, sich nach dem Stellenabbau wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

Die scharfe Kritik hat Folgen: Jörg Blunschi hat sich entschieden, per sofort sein Amt als Präsident der Verwaltung der Migros Aare niederzulegen, wie die Genossenschaft in einer Mitteilung schreibt.

Sein Abgang erfolgt unter hohem Druck. Blunschi lässt sich in der Mitteilung zitieren, dass «die anhaltende mediale Berichterstattung über seine frühere Tätigkeit als Geschäftsleiter der Migros Zürich zu inakzeptablen persönlichen Angriffen auf ihn und seine Familie» geführt habe. Sie habe auch «negative Auswirkungen auf die Migros Aare» gehabt.

Er trete aus «Verantwortungsbewusstsein für die Migros Aare und zum Schutze seiner Familie zurück», betont Blunschi weiter. Sein bisheriger Stellvertreter, Vizepräsident Kurt Plattner, übernimmt ad interim das Amt. Das Marktgebiet der Migros Aare umfasst die Kantone Bern, Solothurn und Aargau.

Die Flops in Zürich

Jörg Blunschi war seit Juni 2024 im Amt. Seine Wahl stiess bei Branchenkennern auf Unverständnis, weil er als ehemaliger Chef der Migros-Genossenschaft Zürich grosse Fehlinvestitionen zu verantworten hatte. Jörg Blunschi war von 2010 bis Mitte 2024 Geschäftsleiter der Migros Zürich.

Zuletzt hatte die Migros Zürich mit verschiedenen Verlustquellen zu kämpfen. Eine davon war die erfolglose Deutschland-Expansion. Die Migros Zürich hatte das deutsche Detailhandelsunternehmen Tegut im Oktober 2012 gekauft. Die Expansionsstrategie von Jörg Blunschi führte gemäss Recherchen zu hohen Abschreibungen.

Die Migros im Abbaumodus

Die Migros befindet sich schweizweit im Krisenmodus. Ausgerechnet im Jahr des 100-Jahr-Jubiläums veräussert sie einen Grossteil ihrer Tochterfirmen, darunter Hotelplan und die Kosmetiktochter Mibelle. Der Kahlschlag trifft besonders auch das Fachmärkte-Segment. Beraten von McKinsey, kommunizierte der orangefarbene Riese, man wolle sich wieder auf das «Kerngeschäft fokussieren».

Der Abbau von 1500 Stellen löst Angst und Unsicherheit bei den Angestellten aus. Vor diesem Hintergrund wurde Jörg Blunschi im Juni 2024 zum Präsidenten der Migros-Genossenschaft Aare mit rund 12’000 Angestellten berufen.

Das sorgte auch intern für Unverständnis und Kritik: «Wenn die Migros Fachmärkte abstösst und Angestellte entlässt und gleichzeitig die Chefs, die Misserfolge zu verantworten haben, an anderen Topstellen weiterarbeiten, kann das kritisch hinterfragt werden», sagt ein ehemaliger Migros-Angestellter, der anonym bleiben will.

Deshalb wurde Blunschi gewählt

Nach dem abrupten Abgang stellt sich die Frage, wieso Jörg Blunschi im Juni des vergangenen Jahres zum Präsidenten der Migros Aare gewählt worden ist. Er wurde vom Aufsichtsgremium der Migros Aare im November 2023 vorgeschlagen, dem sieben Mitglieder angehören. Der Wahlvorschlag erfolgte im November 2023, als der Berner Anwalt Thomas Aebersold Präsident war.

Die damalige Wahl begründet die Migros Aare wie folgt: «Jörg Blunschi verfügt über eine langjährige Führungserfahrung im Detailhandel und kennt die Migros-Gemeinschaft bestens.» Dies habe damals den Ausschlag für die Nomination gegeben. Er sei im regulären Auswahlprozess von den zuständigen Organen evaluiert und als Präsident der Verwaltung gewählt worden.

Der Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz kann die Wahl von damals nachvollziehen. Die Migros Aare habe mit Blunschi einen Manager mit viel Branchenerfahrung berufen auf einen Posten, bei dem es um strategische Entscheide gehe. Auf der anderen Seite sei es ein Risiko gewesen, weil er in Zürich Verluste eingefahren habe. «Ich finde es aber etwas erschreckend, dass er so schnell den Bettel hinwirft. Ich habe gedacht, er hat eine dickere Haut», sagt Peter V. Kunz.

So geht es weiter

Die Wahl einer neuen Präsidentin oder eines neuen Präsidenten erfolgt nach dem in den Statuten der Migros Aare festgelegten Auswahlprozess. Das Ziel sei es, in den nächsten Monaten eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden.

«Der Genossenschaftsrat stellt sicher, dass rasch eine Wahlempfehlung für eine neue Präsidentin oder einen neuen Präsidenten zuhanden der Urabstimmung gemacht wird», sagt Anja Fischer, Präsidentin des Genossenschaftsrats der Migros Aare.