Feintool und BystronicBerner Industriefirmen tief im Minus
Der Nachfrageeinbruch aus der europäischen Industrie belastet zwei Berner Konzerne. Feintool und Bystronic haben Verluste eingefahren und Stellen abgebaut.

- Feintool und Bystronic schreiben wegen deutlich gesunkener Erlöse und Umbaukosten rote Zahlen.
- Feintool verlagert die Serienfertigung von Lyss nach Most in Tschechien.
- Bystronic hat letztes Jahr in Niederönz 84 Stellen gestrichen.
Der Dämpfer bei den Elektroautoverkäufen in Europa im vergangenen Jahr lastet auch auf dem Lysser Feinschneid- und Umformunternehmen Feintool. Die Nachfrage nach gestanzten Elektroblechteilen für E-Fahrzeug-Motoren sei eingebrochen. Das sagte Konzernchef Torsten Greiner am Donnerstag bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2024.
Die Elektrifizierung der Mobilität habe sich verlangsamt aufgrund unsicherer politischer Rahmenbedingungen, insbesondere in Deutschland. Doch auch das Geschäft mit Komponenten für Verbrenner- und Hybridmotoren war in Europa, dem wichtigsten Markt von Feintool, rückläufig. Kunden stornierten oder verschoben Aufträge.
So schrumpfte der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 720 Millionen Franken. Um die Profitabilität zu verbessern, kündigte Feintool im vergangenen Mai an, die Serienfertigung von Lyss nach Most in Tschechien zu verlagern. Das betrifft 70 von 200 Stellen am Konzernsitz, wo neben der Verwaltung die Kompetenzzentren für Feinschneiden inklusive Werkzeugbau und für Platten für Wasserstoffzellen verbleiben.
Zudem plant Feintool-Chef Greiner, die Produktion vom deutschen Standort Sachsenheim nach Tokod in Ungarn zu verlagern. Insgesamt sollen 20 bis 25 Millionen Franken pro Jahr eingespart werden. Zunächst belasteten aber die Kosten für den Umbau das Ergebnis 2024 mit 47 Millionen. Unter dem Strich beträgt der Verlust 45 Millionen Franken. Die Aktionärinnen und Aktionäre sollen daher keine Dividende erhalten.
Konjunkturschwäche und interne Probleme
Mit konjunktureller Schwäche und einem internen Durcheinander auseinandersetzen muss sich nach eigenen Worten der neue Chef des Oberaargauer Blechmaschinenherstellers Bystronic, Domenico Iacovelli. Er löste per Mitte 2024 den langjährigen Chef Alex Waser ab und lancierte angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten eine Restrukturierung. Die Organisation wird nicht mehr regional, sondern nach Divisionen ausgerichtet.

Am Sitz in Niederönz wurden zudem bis Ende 2024 wie angekündigt 84 Stellen gestrichen. Hier sind keine weiteren Entlassungen geplant, auch keine Kurzarbeit für die verbliebenen 587 Mitarbeitenden, sagte Iacovelli am Donnerstag bei der Bilanzpräsentation.
Dagegen läuft noch die Schliessung der Produktion für Automationslösungen in Italien. Konzernweit fallen dem Abbau etwa 600 von zuvor 3500 Vollzeitstellen zum Opfer. Bystronic erwartet jährliche Einsparungen von über 60 Millionen Franken. 2024 schreibt das Unternehmen aber einen Verlust von fast 68 Millionen Franken. Dies bei einem um 30 Prozent eingebrochenen Umsatz von 648 Millionen.
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