AboEin wilder englischer Garten
Es wuchert und spriesst in Beate Schnitters Garten, und doch wirkt alles geordnet. Die Küsnachter Architektin pflegt seit Jahrzehnten das Erbe ihrer berühmten Tante Lux Guyer. Ihr ungewöhnlicher Garten steht wohl schon bald unter Schutz.
Manchmal ziehe die Bise aus Moskau voll durch den Garten, sagt Beate Schnitter. Das bereitet ihr oft Sorgen. Denn in der winterlichen Kälte könnte absterben, was im Frühling und im Sommer blühen soll. Wird es kalt, packt die 87-Jährige in ihrem Garten im Küsnachter Ortsteil Itschnach ihre Agapanthi, die blauen Schmucklilien, ein. «Noch nie ist mir ein Agapanthus gestorben», sagt Beate Schnitter, die ein Leben lang ein Herz für Gärten hatte.Bekannt wurde Schnitter als Architektin. Sie zählt zu den ersten Frauen in einem Beruf, der lange fast ausschliesslich von Männern dominiert war. Ihre Tante, die berühmte Architektin Lux Guyer, hatte es ihr vorgemacht. Ein Jahr vor Beate Schnitters Geburt, 1928, hatte diese an der Ausstellung für Frauenarbeit (Saffa) ein Einfamilienhaus vorgestellt, das dank einem vorgefertigten Holzbausystem in nur drei Monaten errichtet werden konnte. Mit diesem, aber auch mit anderen Bauten wie Wohnungen für alleinstehende Frauen wurde Lux Guyer bekannt.