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1867 hatten Kranke nichts zu lachen

Bea Cornaz, Referent Thomas Böni, Frauke Böni und Martina Lautner (von links) gaben einen Einblick ins Leben vor 150 Jahren.
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Bea Cornaz, Frauke Böni und Martina Lautner vom Frauen­verein Bülach traten passend auf: behutet und in bodenlange Kleider gehüllt. Sie präsentierten sich im Ratshauskeller als Damen von damals – also wie aus der Gründungszeit des Vereins vor 150 Jahren. Cornaz umriss diese Zeit als schwierig. Die Industrialisierung brachte eine Volksverarmung mit sich, Höchstarbeitszeiten von 15 Stunden pro Tag mussten erst erkämpft werden. Kinderarbeit war gang und gäbe, die Ernährung schlecht. Seuchen wie Malaria oder Cholera grassierten auch in der Schweiz.

Zweifelhafte Ärzte

Der Mediziner Thomas Böni berichtete in seinem Referat, dass Landärzte damals keinen besonders guten Ruf hatten. Sie hatten in der Regel auch nicht Medizin studiert, sondern waren durch eine dreijährige Lehre bei Badern, Scherern oder Chirurgen zu dem geworden, was sie waren. Die mittelalterliche Lehre der ­guten und bösen Säfte im Körper liess sie zu Aderlässen oder Kräuterwickeln greifen. Die wenigen Ärzte, die es gab, wurden trotzdem Tag und Nacht zu Hilfe gerufen, denn ein Spital existierte im Zürcher Unterland noch nicht. Bezahlt wurden die Ärzte dann mehr schlecht als recht, sodass sie meist noch ein anderes Gewerbe betreiben mussten – vorzugsweise als Wirte. So konnten sie den Kranken noch eine stärkende Konsumation empfehlen.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die akademischen Ärzte auch auf dem Land die Oberhand bekamen und die Bedeutung der Hygiene bekannter wurde, stieg die Lebenserwartung der einfachen Bevölkerung. Dass die Besucherinnen des Jubiläumsanlasses etwas zu lachen hatten, dafür sorgte anschliessend die Komödiantin Madeleine Bölsterli.