Wenig Fahrten wegen PersonalengpassAn Ostern droht ein Gedränge auf den Schiffen
Die ZSG startet mit einem dünnen Fahrplan in die Frühlingssaison. Aus Personalmangel, sagt sie. Schuld daran sei auch das schlechte Betriebsklima, klagen ehemalige Angestellte.

Nächste Woche, am Karfreitag, beginnt auf dem Zürichsee die Frühlingssaison – doch der Fahrplan der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft gleicht auch dieses Jahr eher einem Sparplan. So verkehrt die grosse Rundfahrt lediglich zweimal pro Tag vom Bürkliplatz in Zürich nach Rapperswil – um 11.20 Uhr sowie um 13.20 Uhr. Dies ist dem neuen Fahrplan zu entnehmen, der auf der Website der ZSG aufgeschaltet ist.
Früher waren im Frühling wochentags vier und am Wochenende sechs Kurse pro Tag üblich. Doch nun verkehrt die grosse Seerundfahrt weiterhin gemäss dem derzeit geltenden Winterfahrplan. Der einzige Unterschied ist, dass die Schiffe ab Karfreitag wieder die Insel Ufenau ansteuern.
Der ausgedünnte Fahrplan stösst bei Kennern der Schifffahrt auf Kritik. «Man kann doch an Ostern nicht bloss mit zwei Schiffen von Zürich nach Rapperswil fahren», sagt ein ehemaliger Mitarbeiter der ZSG. «Bei schönem Wetter wird es ein richtiges Gedränge geben. Die Schiffe werden dann schon ab dem Bürkliplatz voll sein.»
Auch abgespeckter Sommerfahrplan
Selbst der Sommerfahrplan ab dem 1. Mai sieht pro Tag nur fünf Kurse auf der grossen Rundfahrt vor, wie bereits Ende 2023 bekannt wurde. Früher waren es im Sommer jeweils mindestens sieben.
Es ist nicht das erste Mal, dass die ZSG ihren Fahrplan ausdünnt. Sie gab für diesen einschneidenden Schritt jeweils Personalmangel als Grund dafür an. Rein zahlenmässig hat sie zwar nicht zu wenig Mitarbeiter, aber nicht genügend mit den erforderlichen Kompetenzen und Erfahrungen. So fehlt es etwa an Schiffsführerinnen und Schiffsführern auf den mittelgrossen Schiffen, was sich auf den gesamten Fahrplan auswirkt.
ZSG-Direktor Roman Knecht bestätigt auf Anfrage, dass das abgespeckte Angebot im Frühlingsfahrplan noch immer auf Personalengpässe zurückzuführen ist. Er geht aber davon aus, dass die Passagierkapazität meist ausreichen werde, da die ZSG auf der grossen Rundfahrt ihre grössten Schiffe einsetze – etwa die Helvetia mit 1000 Plätzen.
Langfristig wünscht sich auch Knecht wieder ein umfassenderes Angebot auf dem See. Bis die Ausbildungsoffensive greife, die die ZSG aufgrund ihrer Engpässe gestartet habe, und auf dem See wieder mehr Fahrten angeboten werden könnten, werde es aber noch eine Weile dauern, sagt er.
Kritik an schlechter Stimmung
Als Gründe für den Personalengpass hatte die ZSG bisher unter anderem die erhöhte Fluktuation während der Pandemie angeführt. Zudem würden Angestellte heutzutage nicht mehr ihre ganze Karriere im selben Betrieb verbringen.
Aus Sicht vieler Mitarbeitenden ist dies aber nur die halbe Wahrheit. Diese Redaktion hat mit über einem halben Dutzend ehemaliger Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der ZSG gesprochen, die den Betrieb in den letzten Jahren frustriert verlassen haben. Sie berichten einstimmig über ein schlechtes Betriebsklima.
Den Angestellten komme wenig Wertschätzung zuteil, die Geschäftsleitung sei nicht offen für Kritik. Wer eine andere Meinung als sie vertrete, stehe schnell im Konflikt mit der Chefetage. Etwa zwei Dutzend langjährige Mitarbeitende hätten in den letzten Jahren den Betrieb verlassen – nicht nur Schiffsführerinnen und Matrosen, sondern auch Techniker und Angestellte in der Verwaltung. Eine Befragung über die Mitarbeiterzufriedenheit im Jahr 2021 sei katastrophal ausgefallen, heisst es.
Ein Insider relativiert zwar, dass auch andere Schifffahrtsgesellschaften in der Schweiz mit Personalproblemen zu kämpfen hätten. Am Bodensee habe man deswegen sogar wieder pensionierte Mitarbeitende rekrutieren müssen. Das schlechte Betriebsklima, das viel altgedientes Personal zum Abgang bewogen habe, verschärfe aber die ohnehin schon schwierige Lage bei der ZSG zusätzlich, sagt der ehemalige Mitarbeiter.
Zufriedenheit schlechter als anderswo
Direktor Roman Knecht räumt ein, dass die Mitarbeiterzufriedenheit bei der ZSG schlechter ausfalle als im Branchenvergleich. Er sagt aber auch: «Dass die Mitarbeitenden nicht zu Wort kommen und keine Kritik äussern können, lasse ich nicht gelten.» Das Unternehmen habe zudem im vergangenen Jahr einiges unternommen, um die Zufriedenheit der Angestellten zu verbessern. Man habe hierfür ein ganzes Massnahmenpaket lanciert und unter anderem auch die Zahl der Ferientage erhöht.
«Wir sind aber sicher noch nicht auf dem Level, auf dem wir gern sein möchten», gibt der Direktor zu. Das sei sicherlich einer von vielen Gründen, weshalb die Personaldecke derzeit noch nicht ausreiche. Aber: «Zufriedene Mitarbeitende sind uns wichtig, und wir arbeiten weiterhin daran.» Knecht verweist zudem darauf, dass schon ehemalige Angestellte wieder in den Betrieb zurückgekommen seien. «Das ist ein gutes Zeichen.»
Auf ein gutes Zeichen von noch weiter oben – sprich auf einen gnädigen Wettergott – werden auch all jene Schiffspassagiere hoffen, die an Ostern einen Ausflug auf dem Zürichsee unternehmen wollen. Ob sie dann auch Platz auf einer der beiden Rundfahrten finden werden, ist eine andere Frage.
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