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Raus aus dem «engen Korsett»

Roman Oberholzer in seinem Studio.
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Ein «Luusbueb» sein für einen Tag, damit hatte alles begonnen. Sein Sohn, siebenjährig, sollte sich im Kindergarten eine Geschichte überlegen, eine Geschichte wie jene von «Michel aus Lönneberga», der Romanfigur von Astrid Lindgren. Was würde er tun, wenn er einen Tag lang wie Michel durch die Welt ziehen und Streiche aushecken dürfte?

Vater und Sohn sassen also zusammen am Küchentisch, ein Jahr ist das jetzt her, da kam dem Vater die Idee, aus der Geschichte doch gleich ein Lied zu machen. Spontan griff er zur Gitarre und der Bub zur Flöte, und einen halben Tag später war der «Michael vo Rapperswil» geboren. Es sollte das erste Lied sein, das nun den Weg auf die neue CD gefunden hat, seine erste: «Farbigi Liäder» von Roman «Bördy» Oberholzer.

Der «komische Vogel»

«Bördy»? Roman Oberholzer, kurze Hosen, T-Shirt, Sandalen, setzt lachend zu einer Erklärung an. Er sei ein «manchmal etwas komischer Vogel», der gerne singe. Musikalisch sei er schon seit dem Gymi, als er begonnen hatte, Schlagzeug zu spielen. Ganz auf die Musik setzte der heute 47-Jährige allerdings erst, nachdem er beschlossen hatte, sich eine Auszeit zu nehmen. Weg vom geregelten 08/15-Job, wie er rückblickend sagt, «raus aus dem Korsett».

15 Jahre lang ist Roman Oberholzer zuvor als Architekt tätig, führt ein eigenes Büro in Rapperswil. Er berät Familien und Paare für Eigenheime, ist am Umbau des Schulhauses Bollwies beteiligt. Auch sein Vater arbeitet in diesem Beruf, «gewissermassen war der Weg vorgegeben», sinniert er.

Irgendwann wünscht er sich einen Alltag mit weniger Routine, weniger fixen Arbeitszeiten und starren Abläufen. Zunächst will er einfach mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Nach dem Erlebnis mit seinem Sohn und dem Kinderlied «Michael vo Rapperswil» aber hat er Feuer gefangen. Er richtet sich ein Studio ein und widmet sich fortan statt Bauprojekten Liedern mit Namen wie «Igeli», «Karussell» oder «Gummiboot».

Zwölf Kinderlieder sind in den letzten Monaten entstanden. Oberholzer schätzt die Freiheit, die er nun hat, neue Lieder komponiere er dann, wenn ihm eine Idee komme. Meist zu Hause oder in seinem Studio in der Altstadt, nicht selten tüftelt er bis Mitternacht an einem Stück. Ist die Idee einmal in seinem Kopf und der Ablauf der Akkorde klar, fliegen ihm die Zeilen nur so zu. Oft sind es Sohn Samuel und Tochter Salome, die ihn inspirieren. Sie sind gleichzeitig auch seine schärfsten Kritiker.

«Papi, letztes Mal hast du das aber anders gesungen», bekomme er dann und wann zu hören. Auch selber dürfen sie hin und wieder ans Mikrofon stehen. In vielen Liedern sind anfangs kurze Dialoge mit dem Vater zu hören. Irgendwann mit einer grösseren Gruppe Kinder zu singen, gar einem Chor, das wäre sein Traum für ein nächstes Projekt, sagt ­Roman Oberholzer. Ideen hat er genug. «Bördy», der komische Vogel, soll weiterhin auf Kurs bleiben.