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Ex-GC-Spieler Petar Pusic
Er gab alles für GC, doch dann liessen sie ihren «Peti» einfach ziehen

Fussballspieler Petar Pusic in Jubelpose, umgeben von feiernden Fans mit Grasshopper Club Zürich Fahnen.
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In Kürze:
  • Petar Pusic wurde bei den Grasshoppers gross, verliess den Verein aber 2023.
  • Manchmal hadert er damit, dass er damals kein neues Vertragsangebot bekam.
  • Heute spielt er in Kroatien, der Heimat seiner Eltern, und kann sich vorstellen, irgendwann zurückzukehren.

GC bewegt ihn. Er ist informiert und interessiert, wenn er kann, schaut er alle Spiele. Petar Pusic ist der GC-Bub, der seit bald zwei Jahren nicht mehr im Verein ist. 181 Spiele bestritt er für die Zürcher, jetzt ist er in Osijek, Kroatien, dem Land, in dem seine Eltern aufgewachsen sind.

Das Ende bei GC war eines, das er nicht wollte. Der heute 26-Jährige ist einer aus dem GC-Nachwuchs, einer, der fussballerisch lange nichts anderes kannte als diesen Verein. 

Pusic kommt vom FC Schaffhausen, als er 13 ist, und arbeitet sich hoch. Er ist ein Talent, ein richtig grosses, spielt regelmässig in der U21-Nationalmannschaft, vertritt mit dieser die Schweiz 2021 bei einer Europameisterschaft.

Aber er wird in einer Phase gross, als es bei GC kaum Zeit gibt für Talente. Vom Moment, in dem er sein Debüt gibt, im Februar 2017, bis zu seinem Abgang ist es nie ruhig im Verein. Wechsel auf allen Ebenen, noch und nöcher, Fans, die Spielabbrüche provozieren, der Abstieg, der Spuren hinterlässt. Pusic macht alles mit.

Petar Pusic kriegt kein Angebot – auch kein schlechteres

Als er richtig durchstartet, ist GC in der Challenge League. Pusic hat einen grossen Anteil am Wiederaufstieg, für die Fans ist er Peti, nahbar und mit GC-Herz. Eine Identifikationsfigur, für Menschen, die einen Verein lieben, sind Spieler wie er wichtiger als alle anderen. Gerade in Zeiten, in denen die meisten kaum mehr als zwei Jahre im Club bleiben.

Es ist Sommer 2023, die Grasshoppers sind wieder in der Super League, aber auch in einer eigenartigen Zwischenwelt gefangen. Sie gehören noch den chinesischen Eigentümern von Fosun, die den Verein nur noch verkaufen wollen. Sportchef Bernt Haas sind die Hände gebunden, weil er lange nicht einmal weiss, wie hoch sein Budget für die kommende Saison sein wird. Pusic bekommt kein Angebot für einen neuen Vertrag, nicht einmal ein schlechteres. 

Darum schreibt er auf Instagram: «Ich habe seitens des Vereins nicht den absoluten Willen gespürt, mich zu binden.» Und dass er den Club, mit dem er so viel erlebt hat, verlasse. 

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Osijek ist ein grosser Schritt für Pusic, anderswo als bei seinen Eltern hat er zuvor nie gelebt. Seine besten Freunde sind immer noch die, mit denen er in Schaffhausen die Kindheit verbrachte. Diese Nähe half ihm auch durch die schwierigste Zeit seiner Karriere. Ab Dezember 2021 fällt er wegen Long Covid über ein halbes Jahr aus.

In einem Interview mit dieser Redaktion sagt Pusic nach seiner Rückkehr auf den Platz, dass er sich gefragt habe, ob er je wieder spielen könne. Es sind leidvolle Monate für ihn, Fussball ist weit weg. Ende Juli 2022 spielt er wieder, dann schiesst er im Oktober im Derby gegen den FCZ ein Tor, eine besondere Sache für ihn. Seinen Torjubel widmet er seinen zwei Schwestern, die auf der Tribüne sitzen und während Long Covid für ihn da waren. 

Eine neue Stadt, aber kein neues Land

Nun ist er weit weg vom engsten Kreis der Familie. Der Anfang ist nicht einfach. Immerhin muss er keine neue Sprache lernen. Er sagt: «Ich kam in eine neue Stadt, aber nicht in ein neues Land.» Er kennt vor allem den Westen Kroatiens, die lange Küste, nicht aber die Gegend, in der Osijek liegt, ganz im Osten. Aber er hat ferne Verwandte, die dort leben.

Pusic lernt die Äste seiner Familie immer besser kennen. Das hilft ihm beim Ankommen in dieser Umgebung, die er noch nicht kennt. Osijek ist ein Verein aus dem vorderen Mittelfeld der Liga, mal spielt Pusic von Beginn an, mal sitzt er auf der Bank, selten aber kommt er gar nicht zum Einsatz. Momentan ist der Verein in einer kleinen Krise mit nur zwei Toren aus den letzten sieben Spielen. Pusic schoss eines davon Anfang März.

Er fühlt sich wohl in Kroatien. Irgendwann will er diese andere Erfahrung aber auch noch machen, neues Land, neue Sprache, «irgendwohin kommen und keinen Plan haben», so sagt er das. Er träumte schon immer von Spanien. 

Was wäre, wenn …?

Es ist hypothetisch, aber die Frage stellt sich bei Pusic schon. Was wäre eigentlich gewesen, hätte er seine ersten Schritte im Profifussball in einem stabilen Verein gemacht? In einem wie dem FC Luzern zum Beispiel, bei dem es zum Konzept gehört, auf die eigenen Junioren zu setzen?

Er sagt: «Vielleicht bin ich ja gerade deshalb in den Profifussball gekommen, weil es unruhig war. Ich darf das nicht hinterfragen. So viele Kinder träumen davon, an meiner Stelle zu sein, deswegen bin ich in erster Linie dankbar, wo auch immer es hinführt.» Demut ist ihm wichtig.

Und vielleicht ist es ja irgendwann Zeit für eine Rückkehr nach Zürich. «Peti, chum hei!», schreiben ihm Fans auf Instagram hin und wieder. Heimkommen in die Super League. Zu seinem GC. Vorstellen kann er sich das. 

In regelmässigen Abständen porträtieren wir die Zürcher Fussballidole von damals. Über wen würden Sie gern einen Text lesen? Teilen Sie uns Ihre Vorschläge über marcel.rohner@tamedia.ch oder loris.brasser@tamedia.ch mit.