Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf die neueste Version, oder wechseln Sie auf einen anderen Browser wie ChromeSafariFirefox oder Edge um Sicherheitslücken zu vermeiden und eine bestmögliche Performance zu gewährleisten.

Zum Hauptinhalt springen

Bruno Hugs tiefer Fall

Bruno Hug.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.
BotTalk

Bruno Hug wird der Bleistift aus der Hand genommen. Dem abgesägten Chefredaktor der «Obersee-Nachrichten» wird damit jenes Werkzeug genommen, an das er sich – besessen von der Idee, immer das Richtige zu schreiben – während Jahren geklammert hat. Hugs Freistellung als Chefredaktor der «Obersee-Nachrichten» nach der Niederlage bei der Kesb-Klage bedeutet nicht nur für ihn persönlich eine Zäsur, sondern auch für die gesamte Oberseeregion. Dass der Verlag der «Obersee-Nachrichten» dazu auch noch das Gerichtsurteil wegen Persönlichkeitsverletzung akzeptiert, muss für Hug eine doppelte Klatsche sein. Hugs unrühmliches Ausscheiden hat er sich in erster Linie sich selbst zuzuschreiben. Der Chefredaktor und Verleger hat grundlegende Regeln des Journalismus missachtet. Ein Zitat des deutschen Journalisten Hanns Joachim Friedrichs bringt es auf den Punkt: «Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.» Hug hat diesen elementaren Leitgedanken in seiner Kesb-Berichterstattung vermissen lassen. Er hatte Mitleid mit den «Kesb-Opfern» und hat sie entsprechend ins Licht gerückt. Dass er einigen von ihnen Geld gespendet hat oder Messie-Wohnungen aufräumen liess, zeigt das fehlende Gefühl für Distanz und Nähe. Der Journalist meinte dazu jeweils nur: «Wer das Glück hat, gutgestellt zu sein, sollte auch an jene denken, denen es weniger gut geht.»

Dass über die Arbeit der Kesb berichtet wird, ist wichtig und richtig. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler, und die Medien als vierte Gewalt im Staat sollen die Arbeit kritisch durchleuchten dürfen. Das heisst aber auch, dass man unliebsame Fakten nicht unterschlagen darf, die Privatsphäre von Kesb-Betroffenen und deren Angehörigen respektiert und versucht, ein möglichst faires und ausgewogenes Bild zu zeichnen. Das alles ist aber nur möglich, wenn man aus kritischer Distanz die Arbeit der Behörde beobachtet. Menschen eine Anlaufstelle anzugeben, wo sie Hilfe finden, ist auch als Journalist nicht verboten. Ihnen aber aus der Patsche helfen zu wollen, ist alles andere als geschickt.

Somedia als Mutterhaus der «Obersee-Nachrichten» hat dem bunten Treiben in Rapperswil-Jona viel zu lange passiv zugeschaut. Als im Herbst 2016 – während Hugs Wahlkampf um das Stadtpräsidium – auskam, dass er Kesb-Opfern Geld zahlte und sie gleichzeitig für die Zeitung porträtierte, stellte sich Somedia hinter ihren Chefredaktor. «Als Privatperson ist Herr Hug frei, wie er sein Geld spendet», liess sich CEO Andrea Masüger in der ZSZ zitieren. Die Unabhängigkeit der Zeitung sah der Medienmanager nicht in Gefahr: «Es gibt viele Beispiele, wo sich Journalisten privat für Bedürftige engagieren. Wieso sollte dabei die Glaubwürdigkeit der Presse tangiert sein? Jeder Journalist sollte auch Mensch sein und nicht nurBerichterstattungsmaschine.» Jetzt lässt der gleiche Verlag Hug fallen wie eine heisse Kartoffel. Er setzt den Gründer der «Obersee-Nachrichten» nach 36 Jahren vor die Tür. Just jenen Mitarbeiter, der die Zeitung überhaupt an Somedia verkauft hatte.

Das Verlagshaus gesteht seine Niederlage auf eine Art und Weise ein, wie sie wohl in der Schweizer Medienlandschaft einzigartig ist. Ein erstinstanzliches Urteil vollumfänglich zu akzeptieren, zeigt, wie tief sich Somedia ins Schlamassel hat reiten lassen. Offenbar hat man nicht den geringsten Hauch einer Chance gesehen, das Ruder herumzureissen. Dem Verleger Hanspeter Lebrument war das offenbar unmittelbar vor dem Prozess bewusst geworden, als er mit der Stadt Rapperswil-Jona und der Kesb Linth einen ausser­gerichtlichen Vergleich anstrebte. Man kann sich nur darüber wundern, dass Somedia nicht früher in Hugs Machtzentrum am Hauptplatz 5 in Rapperswil-Jona eingeschritten ist.

Bruno Hug hat diese Art von Abgang in gewisser Weise nicht verdient. Hug hat mit seinem anwaltschaftlichen Journalismus in guten Zeiten viel in der Stadt bewegt. Dass Rapperswil und Jona heute geeint unterwegs sind, ist auch sein Verdienst. Das Schloss aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, hat ebenfalls Hug mitgeprägt. Und nicht zuletzt dürfen seine Verdienste bei den Rapperswil-Jona Lakers, denen er viele Jahre als Präsident vorstand, nicht unterschätzt werden. Hug hat dafür seine Rolle in Rapperswil-Jona überschätzt. Er mischte überall mit, brachte sich ein und war journalistisch für seine spitze Feder gefürchtet. Zu Fall brachte ihn sein Streben nach Macht. Am liebsten hätte er die Fäden der Stadt in der Hand gehabt. Der Mut, im vergangenen Jahr wirklich Stadtpräsident zu werden, fehlte ihm, die Vorstellung als «achter» Stadtrat in den «Obersee-Nachrichten» Schattenminister zu spielen, gefiel ihm viel mehr. Jetzt liegt Hug am Boden. Sein Lebenswerk ist zerstört.