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Wenn Primarschüler Programmieren lernen

Programmieren lernen: Bettina Waldvogel verteilt Arbeitsblätter mit Programmieraufgaben an Zumiker Mittelstufenschüler.
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Gebannt sitzen die Kinder der gemischten Mittelstufe, das heisst je ein Drittel Kinder aus der 4. bis 6. Klasse, im Klassenzimmer. Ein Junge hat einen Fussball unter seinen Füssen. Im Moment ist der Computer aber interessanter. So ergeht es auch seinen Klassenkameraden. Der Unterricht hat noch nicht mal begonnen, schon sind erste Updates unterdrückt und das Lernprogramm ist aufgeschaltet.

In der Klasse von Teresa Neumann ist diesmal kein normaler Unterrichtstag. Bettina Waldvogel unterrichtet heute schon zum zweiten Mal zusammen mit Teresa Neumann die Klasse. Sie leitet den Bereich Medien und Informatik an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen (PH) und arbeitet als Handarbeitslehrerin in Zumikon. In ihrer Funktion an der PH ist sie auch für das Informatikprojekt Prima-Logo tätig. Darum ist sie hier in Neumanns Klasse.

Prima-Logo ist ein Projekt, das sich an Lehrer der Mittelstufe richtet. Die Lehrer sollen das Programmieren lernen, um es im Anschluss alleine unterrichten zu können. Normalerweise wird das Projekt in zwei Klassen pro Schulhaus durchgeführt. In Zumikon ist dies anders. Hier lernen alle Mittelstufenlehrer und Schüler das Programmieren. Das hat Bettina Waldvogel, weil sie in Zumikon unterrichtet, möglich gemacht.

Quadrat oder Schlange?

Das Programm beschränkt sich auf das notwendigste, was es so effizient macht. Im Gegensatz zu anderen Programmen für Kinder sieht der Anwender hier nur eine weisse Seite mit einer Schildkröte darauf. Oben ist ein Schreibfeld, in das Befehle eingegeben werden können. Mittels dieser Befehle bewegt sich die Schildkröte.

Der Unterricht beginnt. Erst mal sollen die Laptops zugeklappt werden. Der schon gelernte Stoff wird mit Hilfe der Wandtafel repetiert. «[fd7rt90fd1rt90fd7]», schreibt Bettina Waldvogel an die Wandtafel. «Wird das ein Quadrat oder eine Schlangenlinie», fragt Waldvogel in den Raum. Schnell schiessen die ersten Hände in die Höhe. Jeder will der oder die Erste sein. Da sich die Schüler nicht ganz so einig sind, werden die Befehle nochmal einzeln betrachtet. «rt90» etwa steht für «right turn 90». Dies bedeutet für die Schildkröte, das sie sich um neunzig Grad nach rechts dreht.

«Ich bin froh, dass ich nicht von heute auf morgen lernen muss neue Fächer zu unterrichten.»

Teresa Neumann, Zumiker Lehrerin

Nun werden die Computer aufgeklappt. Die Lehrerin gibt den Schülern den Auftrag, die Frankreichfahne mittels Programmierbefehlen zu zeichnen. Einige Schüler tun dies innert Sekunden. Bis auch all ihre anderen Kameraden diese Aufgabe erfüllt haben, bleibt Zeit um eine Italienfahne oder eine bunte Blume zu programmieren.

Währenddessen gehen Waldvogel und Neumann im Klassenzimmer herum. Sie beantworten Fragen und helfen. An zwei Schultagen arbeiten die Schüler das Programm durch. Ihre Lehrerin hat davor einen halben Tag eine Weiterbildung besucht und lernt durch das Zuschauen und Mithelfen im Unterricht gleich wie sie Programmieren unterrichten kann.

Für das Prima-Logo Projekt können sich Schulen seit dem Jahr 2010 bewerben. Die Kosten trägt eine Stiftung. Im Hinblick auf den Lehrplan 21, der ab dem nächsten Jahr eingeführt wird, kommt diesem Programm aber eine neue Bedeutung zu.

Neu im Lehrplan

Die Kinder eigenen sich mit Prima-Logo einen grossen Teil der im neuen Lehrplan neu eingeführten Informatik-Kompetenzen an. Kompetenzen sind laut Fachleuten die kleinste Einheit von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen die sich Schüler aneignen können. Die Informatik-Kompetenzen sind Teil des Fachs Medien und Informatik, das ab Schuljahr 2018/19 unterrichtet wird.

Programmierkenntnisse machen nur einen Teil der Informatikkompetenzen aus. Laut Waldvogel bilden sie aber vermutlich den anspruchsvollsten Teil davon. Das Programmieren, das im Berufsleben hilfreich ist, würden diese Schüler ohne Prima-Logo nicht oder nicht vollständig erwerben. Auch für die Lehrer, die diese Kompetenz in einem Jahr unterrichten müssen, ist das Projekt eine grosse Hilfe. Teresa Neumann sagt dazu: «Ich bin froh, dass ich nicht von heute auf morgen lernen muss neue Fächer zu unterrichten.» Für die Unterrichtsqualität sei es besser, wenn auch sie als Lehrperson früh mehr davon verstehe und Zeit hat sich die fächerübergreifende Anwendung des Programmierens in Fächern wie Geometrie zu überlegen.

Bettina Waldvogel merkt an, dass Programmieren im Gegensatz zum Umgang mit Medien weiter weg vom Alltag der Lehrer sei. Deshalb sollten die Lehrer auch genügend Zeit haben um sich mit der Thematik zu beschäftigen. Wenn dies schon vor den für den Lehrplan 21 vorgesehenen Weiterbildungen geschehe, so könne dies nur von Vorteil sein. Schliesslich ist Medien und Informatik nicht das einzige neue Fach, für welches sich die Lehrer mit Einführung des neuen Lehrplans, weiterbilden lassen müssen.