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Seltene Sichtung in Meilen
An der Goldküste ist ein Biber aufgetaucht

Seltener Anblick: Kürzlich wurde ein Biber am Meilemer Zürichseeufer beobachtet und mit einem Video dokumentiert.
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In Kürze:
  • Ein Biber wurde am rechten Zürichseeufer in Meilen gesichtet.
  • Er ist vermutlich aus den bekannten Revieren in der Stadt Zürich oder der Halbinsel Au in Wädenswil abgewandert.
  • Experten vermuten, dass der Biber nun auch im Bezirk Meilen sesshaft werden könnte.

Der Biber lässt sich nur selten blicken. Meist hinterlässt er bloss seine hölzerne Visitenkarte in Form von kräftigen Nagespuren an Bäumen. Am linken Zürichseeufer konnten die Knabberspuren in den letzten Jahren immer öfter beobachtet werden. Beispielsweise auf der Halbinsel Au, wo sich das erste und bisher einzige Biberrevier am Zürichsee befindet. Aber auch in Kilchberg verwirklichte sich ein Biber vor wenigen Wochen an einer prächtigen Weide auf einer Badewiese.

Am rechten Ufer war der Nager bis auf vereinzelte Sichtungen derweil noch nicht vertreten. Nun aber hat es einen abenteuerlustigen Artgenossen offenbar erneut an die Goldküste verschlagen – und er zeigt sich alles andere als kamerascheu. In einem Video, das auf der Tiermeldeplattform Wilde Nachbarn hochgeladen wurde, paddelt er gemütlich vor dem Meilemer Ufer durchs Wasser. Und auch an Land lässt sich das Tier von Geräuschen vorbeibrausender Autos nicht beirren: Auf die Hinterpfoten gestellt, verschafft er sich schnuppernd einen Überblick.

Ob der Biber auf Reviersuche oder bloss Entdeckungstour war, ist unklar. Etwas Besonderes ist der «hohe Besuch» auf jeden Fall, wie Simona Pfister vom Naturnetz Pfannenstiel erklärt: «Auf der Plattform Nachbarn wurden auf dieser Seeseite bisher keine Biber gemeldet», sagt sie. Der genaue Ort der Sichtung wird vom Naturnetz Pfannenstiel bewusst nicht bekannt gegeben. «Wir wollen verhindern, dass Interessierte dorthin gehen und den Biber womöglich stören», sagt Pfister.

«Seit Herbst im Gebiet»

Wie Andreas Hofstetter von der Biberfachstelle Kanton Zürich erklärt, scheint der pelzige Neuankömmling aber nicht nur auf der Durchreise zu sein: «Der Biber in Meilen ist vermutlich seit diesem Herbst im Gebiet, zumindest haben wir dann erste Meldungen bekommen.» Möglicherweise handle es sich dabei um ein Jungtier, das aus den bekannten Revieren in der Stadt Zürich oder der Au in Wädenswil abgewandert sei.

Könnte der Biber nun also auch am rechten Ufer sesshaft werden? «Es wäre gut denkbar, dass sich der Biber in diesem Gebiet niederlässt», sagt Hofstetter. Entscheidend dafür sei die Qualität des Lebensraumes, insbesondere in Bezug auf das verfügbare Gehölz.

Ein von einem Biber angefressener Baum bei der Seeanlage Schilfmatt, 4. September 2024. Foto: Moritz Hager/Tamedia AG

Falls dieses ihm hier gefällt, wird der fleissige Landschaftsgestalter wohl kaum unbemerkt bleiben. Zwar lässt sich der Zürichsee deutlich schwerer stauen als ein Fliessgewässer – doch auch hier würden Bäume den meisselartigen Schneidezähnen wohl zum Opfer fallen. «Wertvolle Bäume sollten daher mit einem Drahtgitter geschützt werden.»

Eisenharte Zähne

Auf der Videoaufnahme ist zu sehen, wie der Biber seine Nase in die Luft streckt. «Da der Biber ein schlechtes Sehvermögen hat, nimmt er seine Umgebung stark mit dem Hör- und Geruchssinn wahr», erklärt der Experte. Womöglich habe das Tier also gerade etwas gerochen. «Gut möglich, dass er hier die Person riecht, die ihn filmt.»

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Die gelborange Verfärbung der Zähne, die im Video ebenfalls gut zu sehen ist, ist übrigens völlig normal: «Das sind Eiseneinlagerungen in der äusseren Schicht der Zähne», erklärt Hofstetter. Auf der Hinterseite der Zähne fehlen diese. Beim Nagen reiben die harten Vorderseiten der unteren Zähne an den weichen Innenseiten der oberen Zähne – wodurch sie sich ständig nachschärfen. Übrigens wachsen sie auch permanent nach.

Und die scharfen Beisser können auch als Waffe eingesetzt werden. Angst müsse man vor dem Biber aber nicht haben, wenn man ihm begegne: «Geniessen Sie diese schöne Beobachtung – vom Biber geht grundsätzlich keine Gefahr aus.» Es empfehle sich jedoch, Hunde an die Leine zu nehmen. Denn ein Biber verteidigt sich, wenn beispielsweise ein badender Hund in sein Revier eindringt.