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Tödliche Attacke auf Joggerin in Männedorf
«Nackter Mann lief wie in Trance im Kreis»

Im Park der Villa Alma gab es einen Vorfall mit einer toten Person, 22. Mai 2024. Foto: Moritz Hager/Tamedia AG
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Kleine Wellen schwappen gegen die Stufen der Betontreppe, die in den See führt. In den Baumwipfeln zwitschern die Vögel. Etwas entfernt sind zwei Gärtner dabei, Büsche aus einem Wiesenbord zu rupfen. 

Einzig der rostrote, von Sägemehlspänen bedeckte Fleck auf dem kleinen Kiesweg deutet am Mittwochvormittag darauf hin, welch schreckliches Ereignis sich im Männedörfler Park der Villa Alma am Abend zuvor ereignet hat.

Kurz vor 20 Uhr soll es gewesen sein, als die Gemeindepolizei zur öffentlichen Parkanlage nahe der Gemeindegrenze Uetikons gerufen wurde. Ein nackter Mann schreie herum und greife andere Menschen tätlich an, lautete die Meldung. Laut Augenzeugen soll es eine Polizistin ausser Dienst gewesen sein, die mit dem Velo am Uferpark vorbeigefahren ist, die die Einsatzkräfte informiert hat.

Als diese kurze Zeit später vor Ort eintrafen, fanden sie eine am Boden liegende, schwer verletzte Frau und den besagten Mann vor. Trotz sofort eingeleiteter Reanimation starb die Frau noch vor Ort an ihren schweren Verletzungen. Wie die Kantonspolizei am Mittwoch bekanntgibt, handelt es sich beim Opfer um eine Joggerin. Der mutmassliche Täter, ein 19-jähriger Schweizer, wurde von der Polizei umgehend verhaftet.

Die Hintergründe der Tat sowie weitere Fragen – unter anderem, ob sich Täter und Opfer kannten – seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die Joggerin war aber offenbar nicht das einzige Opfer. Gemäss Polizeiangaben wurde eine weitere Person angegriffen, die jedoch nur leichte Verletzungen davontrug. Um wen es sich dabei handelt, ist nicht bekannt.

Ein Augenzeuge, der kurz vor der Tat im Park war, sagte zu mehreren Medienvertretern, er habe den mutmasslichen Täter gesehen. Anfänglich sei dieser zusammen mit seiner Freundin und einem Hund friedlich auf einer Bank gesessen. Nach einer Weile sei der Mann laut geworden. Seine Freundin sei davongelaufen, und er habe sich ausgezogen und während 10 bis 15 Minuten laut herumgeschrien. Weiter sagte der Zeuge, einer seiner Kollegen habe schliesslich die Polizei alarmiert.

Passant: «Der Park ist bekannt als Hunde-WC»

Der Park der Villa Alma wird von zahlreichen Bäumen und Hecken gesäumt. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite liegen das Firmengebäude des Labortechnikherstellers Tecan sowie eine Aldi-Filiale. Entsprechend hat am Dienstagabend kaum jemand Einzelheiten vom Vorfall mitbekommen. Ein Anwohner, der direkt neben dem Tecan-Gebäude wohnt, berichtet, er sei am Dienstagabend durch die Sirenen der zahlreichen Blaulichtfahrzeuge aufgeschreckt worden, als er sich die «Tagesschau» angesehen habe. Als er um 23 Uhr ins Bett ging, sei der Einsatz noch gelaufen. Was effektiv passiert sei, habe er aber erst tags darauf durch Medienberichte erfahren, sagt der Mann. Er sei nun zum Tatort gegangen, weil er sich selbst ein Bild machen wollte. «Ein mulmiges Gefühl habe ich schon.»

Es sei auffällig, wie wenig Passantinnen und Passanten am Mittwochvormittag im Park unterwegs seien, berichtet der Anwohner weiter. Ansonsten sei hier viel los. «Der Park ist bekannt als Hunde-WC.» Und abends, vor allem an den Wochenenden, würden sich hier oft Jugendliche aufhalten. Wie viele Leute am Dienstagabend während der Tatzeit im Park waren, ist jedoch unklar.

Heimleiter: «Wir sind uns aus diesem Park vieles gewohnt»

Eine Anwohnerin der benachbarten privaten Altersresidenz, die am Mittwochmorgen ebenfalls im Garten spaziert, will vom nächtlichen Ereignis nichts mitbekommen haben – «und das, obwohl mein Zimmer zum Park hinausgeht».

Andere Bewohnerinnen und Bewohner der Altersresidenz Villa Alma haben die Ereignisse vom Vorabend sehr wohl mitverfolgt, wie Heimleiter Wolfgang von Muralt am Telefon sagt. «Wir sind uns aus diesem Park vieles gewohnt, aber das ist unfassbar.»

Im Park der Villa Alma gab es einen Vorfall mit einer toten Person, 22. Mai 2024. Foto: Moritz Hager/Tamedia AG

Einer seiner Mitarbeiter habe die Szene aus einem Fenster aus etwa 150 Meter Entfernung mitverfolgt. Erst sei ein nackter Mann wie in Trance im Kreis herumgelaufen, auch Schreie habe er gehört. Kurz darauf sei ein riesiges Aufgebot von Polizei und Rettungskräften vorgefahren und habe alles abgesperrt.

Von Muralt selber war am Abend nicht vor Ort gewesen. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner hätten gar nichts mitbekommen. Allerdings hat der Heimleiter am Mittwoch bereits etliche Anrufe von besorgten Angehörigen bekommen. 

Wolfgang von Muralt beobachtet bereits seit längerem mit Argwohn, was in der unmittelbaren Nachbarschaft seines Heimes geschieht. Häufig treffe sich in dem verwunschenen Park am Seeufer die Jugend und mache lärmige Partys. Dabei bleibe viel Abfall liegen, und am Montagmorgen seien oft die Gemeindearbeiter am Aufräumen. Auch Vandalenakte an den Bronzestatuen im Park oder am frisch renovierten Bootshaus der Villa Alma hat es laut Wolfgang von Muralt schon gegeben.

Seiner Meinung nach müssten im Park Kameras aufgestellt werden, wie es auf der anderen Seite der Villa die private Hafengenossenschaft auf ihrem Gelände getan hat. Diesen Wunsch habe er gegenüber dem Männedörfler Gemeinderat auch schon mehrfach geäussert. «Leider muss oft etwas Schreckliches passieren, bis Massnahmen ergriffen werden», sagt von Muralt.

Sicherheitsvorsteher: «Kann mit keiner Massnahme verhindert werden»

Was sich am Dienstagabend im Park der Villa Alma ereignet habe, sei ein unvorstellbar tragisches Ereignis, sagt der Männedörfler Sicherheitsvorsteher Daniel Kellenberger (GLP). Er selbst sei am Dienstag kurz vor Mitternacht von der Kantonspolizei über die Ereignisse informiert worden. Der Gemeinderat sei tief bestürzt.  «Aber dass eine Einzelperson eine so verstörende Tat begeht, kann mit keiner Massnahme der Welt verhindert werden.» Der Sicherheitsvorsteher hält denn auch fest: «Männedorf hat kein Sicherheitsproblem.»

Es sei richtig, dass der öffentliche Seeuferpark bei der Villa Alma intensiv genutzt werde. Es sei auch schon zu Littering oder Lärmbelästigungen gekommen. «Das ist aber ein Phänomen, das jede Gemeinde an jedem öffentlichen Seezugang kennt», konstatiert Kellenberger. Wollte man dies verhindern, bräuchte es einen totalitären Polizeistaat. Gleichwohl sei die Gemeinde nicht untätig: «Die Kommunalpolizei patrouilliert vergleichsweise häufig in den öffentlichen Seeanlagen und in Bahnhofsnähe. Und auch ein privater Sicherheitsdienst kommt zum Einsatz.» Laut Kellenberger sei es im Park der Villa Alma in den letzten zwei Jahren zu keinen Fällen von Vandalismus gekommen.

Auch andere Anwohner verteidigen die Gemeinde. «Ja, im Sommer wird es ab und an lauter, wenn sich junge Erwachsene hier treffen», sagt ein direkter Anrainer des Parks, der am Mittwochvormittag am See entlang spaziert. «Aber ich finde es auch richtig, dass der öffentliche Platz genutzt wird.» Von Vandalen oder gewalttätigen Auseinandersetzungen will der Mann, der am Tatabend nicht zu Hause war, noch nie etwas mitbekommen haben. «Wir haben in Männedorf kein Drogen- oder Gewaltproblem.»

Die Kantonspolizei konnte auch am Mittwochabend keine weiteren Angaben zu Opfer und Täter machen. Offen bleibt auch, ob die Joggerin erstochen worden ist, wie Anwohner gegenüber den Medien am Mittwoch sagten. Ein Polizeisprecher kündigte für Donnerstag weitere Informationen der Staatsanwaltschaft an. Gemäss Blick handelt es sich beim Opfer um eine 35-jährige in der Gegend wohnhafte kinderlose Frau.