3:4 im 2. Halbfinal in DavosDie ZSC Lions bewegen sich nun auf einem schmalen Grat
Die Zürcher holen zwar ein 0:3 auf und kommen mit spielerischer Leichtigkeit zu Torchancen. Sie lassen sich aber von der Wucht des HCD zu oft erdrücken. In der Serie steht es nun 1:1.

Die Spieler gleich aufmuntern und das Positive hervorheben? Davon gab es bei den ZSC Lions am Dienstagabend schliesslich auch einiges. Oder doch die Fehler betonen? Denn wer 3:4 verliert und drei Gegentore nach Puckverlusten in der eigenen Zone kassiert, der hat definitiv auch einiges falsch gemacht. Dies kann in einem Playoff-Halbfinal nicht einfach so weggewischt werden.
Marco Bayer entschied sich für: weder noch. Weil er dies immer so mache: «Analysieren, schlafen, danach Feedback geben.» Der ZSC-Trainer zeigte sich zu später Stunde in Davos betont ruhig. Und natürlich gibt es keinen Grund für Panik bei einem 1:1-Zwischenstand in einem Best-of-7. Es gibt für die ZSC Lions sogar sehr viel Grund für Optimismus trotz der zwar wegen des dramatischen Spielverlaufs bitteren, aber trotzdem auch nicht unverdienten Niederlage.
Bitter war es, weil die ZSC Lions in den letzten 21 Minuten ein 0:3 aufholten und dann 64 Sekunden vor Schluss doch noch das 3:4 zu kassierten. Nicht unverdient war der Davoser Sieg, weil der HCD eine deutliche Reaktion auf das 1:6 in Spiel 1 zeigte. Es waren die Bündner, die die physischen Duftmarken setzten und damit ganz anders auftraten als bei ihrem zahmen Spiel am Samstag.
Davos mit viel Pressing und Störarbeit
«Davos spielte mit einer hohen Intensität, wir konnten heute nicht dagegenhalten», konstatierte ZSC-Captain Patrick Geering. Dies war bei gleich drei Zürcher Gegentoren ein mindestens indirekter Grund. Vor dem 0:2 wählte Derek Grant im Spielaufbau die komplizierte und gefährliche Variante und bediente im Slot den Davoser Torschützen Julian Parée. Vor dem 0:3 wurde Santtu Kinnunen genauso von guter Davoser Störarbeit in der Person Simon Knaks überrumpelt wie Dean Kukan vor dem 3:4 durch die Wucht Matej Stranskys. Es fehlte in beiden Fällen auch die Unterstützung der Mitspieler.
Grund für Zürcher Optimismus ist einerseits das Aufholen des 0:3-Rückstands: «Man sah, was passiert, wenn wir aufs Gaspedal drücken», sagte Bayer. Andererseits, und hier wird es auch ein wenig gefährlich für die Lions: Selbst bis zum 0:3-Rückstand nach 36 Minuten, als der HCD dem Spiel mit Intensität und Leidenschaft den Stempel aufdrückte, besassen die Zürcher ein teilweise gar klares Chancenplus.
Sie schafften es mit rein spielerischen Mitteln, immer wieder gefährlich vor dem Davoser Tor aufzutauchen. Vor allem Malgin/Andrighetto gelang dies teilweise mit einer Leichtigkeit, die auch dem HCD zu denken geben musste. «Wir werden die Fehler ansprechen, aber all das macht auch Mut», sagte Bayer.

Der ZSC-Trainer muss hier die richtige Balance finden, weil sein Team nun an einem Scheideweg steht vor Spiel 3. Ein Team, das sich physisch phasenweise dominieren lassen muss, das aber dennoch mit scheinbarer Lockerheit Torchancen herausspielt, bewegt sich auf einem schmalen Grat.
Wohl auch darum betonte Geering das starke eigene Forechecking, das sein Team jeweils in den Heimspielen auszeichnet und nun wiederfinden muss: «Das ist auch das Schöne am Playoff: Es ist ein Hin und Her, zunächst reagiert ein Team, danach das andere.»
Josh Holdens Kniff mit Brendan Lemieux
Eine erste Anpassung in dieser Serie, die Früchte trug, hat Bayers Gegenüber bereits hinter sich. In Spiel 1 hatte Josh Holden noch mit praktisch drei Linien gespielt. Dem HCD fehlt in der Offensive die Breite, die Ausfälle von Corvi, Kessler und Frehner (alle Saisonende) sorgten am Samstag bereits dafür, dass Holden mit einer derart unerfahrenen 4. Linie ins Spiel stieg, dass er ihr kaum Eiszeit zutraute. Und schickte er das Trio in seltenen Fällen gemeinsam aufs Eis, wirkte es überwältigt.
Also wechselte Holden in Spiel 2 die Ausländer und brachte Stürmer Brendan Lemieux für Verteidiger Julius Honka. Der kanadische Agitator wartete zuvor zwar auch nach 16 Spielen in der National League auf seinen ersten Skorerpunkt. Doch er gab Holden die Chance auf mehr Breite im Angriff und den Einsatz von vier «echten» Linien.
Smarter Move von Holden: Er motivierte Lemieux maximal, indem er ihn nicht bloss in die 4. Linie warf, sondern neben Edeltechniker Filip Zadina einsetzte.
Lemieux durfte auch im Powerplay in seiner gewohnten Rolle vor dem Goalie ran und liess sich beim 1:0 Zadinas seinen ersten Skorerpunkt notieren. Und auch wenn er wegen seiner läuferischen Limiten weniger Physis als erwartet ins Spiel brachte, gelangen ihm einige gute offensive Szenen.
Wie wird nun Bayer vor Spiel 3 reagieren? Das Chancenplus ignorieren? Kritisieren, aufwecken und höhere Intensität einfordern? Sein Team muss verhindern, dass der HCD weiter Oberwasser erhält. Fehler wie Grants beim 0:2 waren richtige Booster für den Gegner: Es traf die Davoser 4. Linie, die ansonsten erneut einen schwierigen Abend einzog und viele Zürcher Torchancen zulassen musste.
Trotz allem Lob sah auch Bayer die Probleme im Auftritt seines Teams: Es sei in den Zweikämpfen nicht mehr derart «scharf» gewesen. Zumindest auf Lemieux mochte und wird er nicht eingehen: «Ich konzentriere mich auf mein Team.»

HC Davos

ZSC Lions
Nun ZSC-Chancen im Minutentakt. Diesmal scheitert Rohrer an Aeschlimann.
Grosschance für Zehnder, schön bedient von Lammikko. Aber Aeschlimann ist auf dem Posten.
Abschluss von Frödén, aber Aeschlimann weiter souverän.
Zadina bedient Lemieux, doch der setzt den Puck neben das Tor. Was für eine Chance!
Harter Check von Baechler gegen Egli an der Bande. Das Publikum tobt, doch alles korrekt. Beide Teams versuchen, hart zu spielen.
Schneller ZSC-Angriff, Grant kommt zum Abschluss, findet aber in Aeschlimann seinen Meister.
Die Strafe ist vorbei, folgenlos für den HCD. Eher harmlos, das ZSC-Powerplay.
Gute Schusschance für Grant im Powerplay, doch er verzieht.
Schon die erste Strafe: HCD-Stürmer Egli muss wegen Stockschlags raus.
Malgin dribbelt sich erstmals vors HCD-Tor, doch Aeschlimann wehrt ab.
Entschlossener Start der Davoser. Stransky wuchtet gleich Weber um.
Das Spiel hat begonnen!
Die Aufstellung des ZSC

Die ZSC Lions sind unverändert gegenüber Samstag. Weiter gesperrt ist Blaser, weshalb Balcers erneut überzählig ist.
Die Aufstellung des HCD

Hier der Beleg: Lemieux spielt in der zweiten Linie neben Nussbaumer und Zadina. Holden betont: Er will mit vier Linien durchspielen.
Willkommen zum Liveticker!
Der zweite Akt im Halbfinal-Klassiker zwischen dem HCD und den ZSC Lions steht bevor. Die Zürcher siegten am Samstag in der Swiss-Life-Arena gleich mit 6:1, nun wollen die Bündner auf heimischem Eis reagieren. Dafür hat sich HCD-Coach Josh Holden etwas Spezielles einfallen lassen: Er nominiert Raubein Brendan Lemieux anstelle von Verteidiger Julius Honka als sechsten Ausländer, um für mehr Physis und Breite in der Offensive zu sorgen.
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