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Höhentief bringt Wetteränderung
Regen, Schnee und Kälte – Tief «Max» schlüpft durch die Maschen

Wetterumschlag von Regen auf Schnee in Winterthur-Iberg mit Blick Richtung Brünggen / Kyburg unter bewölktem Himmel. Bild von Enzo Lopardo.
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In Kürze:
  • Ein Höhentief namens «Max» sorgt für Veränderung im Wettergeschehen.
  • In den Alpen fällt Neuschnee, es wird allgemein kälter.
  • Die Wetterentwicklung in der nächsten Woche bleibt wegen einer Luftmassengrenze über Europa eher unsicher.

Im Wetterbericht hatte sich in den letzten Tagen eine gewisse Langeweile eingeschlichen. Das lag daran, dass seit Ende Januar nicht sonderlich viel Bewegung herrschte in der Wetterküche. Hochdruckgebiete sorgten für ruhige Bedingungen in den Bergen und Hochnebel im Flachland.

Gestört wurde dieser Zustand höchstens durch (lahme) Störungszonen, die sich durch etwas dichtere Bewölkung und unergiebigen Regen bemerkbar machten. Noch bis vor kurzem sah es so aus, als würde sich an dieser Langeweile nicht sonderlich viel ändern. Die Wetterlage schien vor allem über Nord- und Mitteleuropa wie zementiert.

Potentes Höhentief dominiert

Nun bekommt das Hochdruckregime aber zunehmend Risse. Verursacher ist ein kleines, jedoch sehr potentes Höhentief, das in den kommenden Tagen das Wettergeschehen bei uns dominieren wird.

Der Name ist dabei Programm: Es handelt sich nämlich um ein räumlich begrenztes Gebiet, das mit sehr kalter Höhenluft (unter minus 30 Grad auf etwa 5000 Metern) angefüllt ist. Auf den Wetterkarten erscheint dieses Gebilde kreisrund oder leicht oval – es erinnert von der Form her an einen Tropfen. Daher rührt auch die in der Meteorologie geläufige Bezeichnung Kaltlufttropfen.

Im Vergleich zu herkömmlichen Tiefdruckgebieten verlagern sich Kaltlufttropfen nicht entlang der typischen Höhenwindbänder, welche um die Nordhalbkugel mäandrieren. Stattdessen bewegen sie sich an den Randbereichen von Hochdruckgebieten oder können sich sogar in diese hineinverlagern. Bildlich gesprochen schwimmen sie wie Fettaugen in der Suppe. Sie sind dabei derart losgelöst von den grossräumigen Strömungen, dass selbst die modernsten Computermodelle bei der Vorhersage ihrer exakten Zugbahn oft kurzfristige Fehlprognosen liefern.

Ein wichtiger Unterschied betrifft auch die Druckverhältnisse: Solche Höhentiefs sind im Bodendruckfeld auf Wetterkarten kaum oder gar nicht zu erkennen. Erst in höheren Schichten sind sie als Gebiete tieferen Luftdrucks im Vergleich zu ihrer Umgebung eindeutig identifizierbar.

Neuschnee in den Bergen, es wird kälter

Ein derartiges Gebilde sorgt ab Mittwoch für Unruhe bei uns. Sein Werdegang ist dabei ziemlich abenteuerlich.

Am Mittwochnachmittag liegt ein Batzen Höhenkaltluft über dem Ärmelkanal, dem der Deutsche Wetterdienst den Namen «Max» verpasst hat. «Max» bewegt sich am Rand des Hochdruckgebiets, das sich immer noch mit Kern über Skandinavien befindet, nach Osten. Über Norddeutschland fusioniert er mit einem anderen Tief, das über der Ostsee herumwabert. Das neu formierte Höhentief («Max II») zapft Polarluft über Skandinavien an. Dieser feucht-kalte Schwall zieht südwärts und erreicht die Schweiz im Verlauf des Donnerstags.

Wetterkarte zeigt Luftdrucksysteme und Temperaturzonen in Europa mit Hochdruckgebiet über Mitteleuropa und Tiefdruck über Skandinavien.

Das Resultat: Im Flachland regnet es von Donnerstag bis Freitag 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter. In den Voralpen und Alpen berechnen die Modelle punktuell bis gegen 40 Liter pro Quadratmeter. Für ein Höhentief, das noch bis vor wenigen Tagen gemäss den Wettermodellen an dieser Stelle gar nicht hätte existieren sollen, sind das durchaus beachtliche Mengen.

Da die Schneefallgrenze in der immer kälter werdenden Luft rasch von etwa 1500 Meter auf gegen 600 Meter absinkt, wird in den Bergen ein erheblicher Teil davon als Schnee liegen bleiben. Nach Einschätzung des Schweizerischen Lawinenforschungsinstitutes fallen am Donnerstag 10 bis 15 cm Neuschnee, am Freitag dann nochmals 15 bis 20 cm.

Die Temperaturen purzeln zum Wochenende hin auch im Flachland wieder auf winterlichere Werte. Das Thermometer klettert zwischen Freitag und Sonntag tagsüber nur noch wenige Grad über den Gefrierpunkt.

Die Odyssee des Höhentiefs ist damit aber noch nicht beendet. Gemäss aktuellen Modellprognosen wird es in der Folge nach Italien und dann weiter in die Ägäis ziehen, wobei es im östlichen Mittelmeer gebietsweise kräftige Regenfälle mit Blitz und Donner auslösen könnte.

Kalt oder mild? Unsicherheiten in der nächsten Woche

Wie es nach dem Wochenende und dem Abzug von «Max II» hierzulande weitergeht, ist derzeit noch unsicher. Mitteleuropa und damit auch die Schweiz befinden sich im Grenzbereich zwischen sehr kalter Kontinentalluft über Osteuropa und sehr milder Luft, die ein Tiefdruckgebiet vom Atlantik her nach Westeuropa schaufelt.

Wetterkarte von Europa mit Temperaturverteilung bei 850 hPa, zeigt kalte Zonen in Blau und wärmere in Gelb bis Rot.

Welche dieser sehr gegensätzlichen Luftmassen in der nächsten Woche mehr Einfluss auf unser Wetter haben wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. Gemäss Patrick Stierli, Meteorologe bei Meteo Schweiz, sieht es momentan eher danach aus, als würde sich die mildere Luft durchsetzen. Die Hand dafür ins Feuer legen würde er aber nicht.

Exakte Prognosen bei solchen Grenzwetterlagen sind grundsätzlich schwieriger, weil bereits kleine Verlagerungen der Druckgebilde grosse Auswirkungen haben können. So gilt bis auf weiteres die Devise: Wetterprognosen, die über einen Zeitraum von mehr als zwei bis drei Tagen hinausgehen, sind mit Vorsicht zu geniessen.

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