Neues Lernprogramm in ZürichSo will der Kanton Sexualstraftäter von Wiederholungstaten abhalten
In neuen Kursen sollen verurteilte Belästiger neue Verhaltensweisen lernen. Dieser Ansatz hat sich bereits bei Tätern häuslicher Gewalt bewährt.
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- Das Programm «DoLaS» richtet sich an Sexualstraftäter im Kanton Zürich.
- Mit dem Kurs sollen Täter riskante Situationen erkennen und Rückfälle vermeiden.
- Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft zur Verhaltensänderung.
- Die Regierung erwartet, dass das Programm langfristig Kosten einspart.
Der Kanton Zürich schickt Sexualstraftäter seit Anfang Jahr in die Schule. In einem neuen Programm sollen sie lernen, riskante Situationen zu erkennen und neue Gewohnheiten einzuüben.
Das Ziel sei, dass Täter nicht mehr rückfällig würden, sagte Mirjam Schlup, Leiterin des Amts für Justizvollzug und Wiedereingliederung, an einer Pressekonferenz vom Mittwoch.
Staatsanwaltschaften und Gerichte können Verurteilte zur Teilnahme am Programm mit dem Titel «DoLaS – Deliktorientiertes Lernprogramm für angepasstes Sexualverhalten» verpflichten. Die Grundlage dafür bildet das neue nationale Sexualstrafrecht, das seit Juli 2024 gilt.
Als Teilnehmende kommen nur Täter infrage, die keine ganz schweren Verbrechen begangen haben. Etwa Personen, die wegen eines Verstosses gegen die sexuelle Integrität zu einer (teil-)bedingten Strafe verurteilt wurden, sowie Personen, die sich einer sexuellen Belästigung (das heisst ohne körperliche Gewalt) schuldig gemacht haben.
Eine Teilnahme setzt zudem die Bereitschaft zum Mitmachen voraus. «Viele Täter wollen nicht rückfällig werden. Aber es gelingt ihnen trotz gutem Willen nicht, ihr Verhalten nachhaltig zu ändern», sagte Mirjam Schlup. Dies soll das neue Lernprogramm ermöglichen. Nicht geeignet für die Kruse seien Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Sie erhalten wie bisher eine Therapie.
Im Notfall den Club verlassen
Das kantonale Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung hat DoLaS im letzten halben Jahr entwickelt. Als Vorlagen dienten kantonale Lernprogramme für andere Delikte wie zum Beispiel häusliche Gewalt. Der Kanton bietet bereits zehn davon an. Anregungen lieferte auch ein Therapieprogramm der Psychiatrischen Universitätsklinik für Jugendliche mit problematischem Sexualverhalten.
Das neue Lernprogramm umfasst fünf Schritte. 1. Das eigene Verhalten verstehen. 2. Ziele setzen, was man nicht mehr tun soll. 3. Strategien erarbeiten, wie sich ein Rückfall verhindern lässt. 4. Einen Plan für eine Notfallsituation erarbeiten. 5. Nachprüfen, ob die Massnahmen wirken.
Als Beispiel nannte Programmleiter Martin Schiesser einen jungen Mann, der im Ausgang oft zu viel Alkohol trinkt und dazu neigt, Frauen gegen ihren Willen anzumachen. In den Kursen solle er eine «Achtsamkeit gegenüber sich selber» entwickeln. Das heisst, er begreife, in welchen Situationen er zu weit gehen könnte, etwa, wenn er sich nach einer Rückweisung gekränkt fühle. Er mache auch seine Freunde auf das Problem aufmerksam und bitte sie, vorher einzugreifen. Um sich zu beruhigen, verlasse er in einer solchen Situation kurz den Club. «Unsere Kurse sollen möglichst alltagsnah und greifbar sein», sagte Schiesser.
Bewährter Ansatz
Das Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung geht von einer hohen Wirksamkeit des Ansatzes aus. Als Vorbild dient das Lernprogramm zu häuslicher Gewalt. Bei dessen Teilnehmenden hat eine wissenschaftliche Untersuchung ein um 80 Prozent geringeres Rückfallrisiko festgestellt als bei Tätern, die dem Programm fernblieben.
Daher soll sich durch die neuen Kurse gemäss den Zuständigen viel Geld sparen lassen. Eine Teilnahme kostet 3200 Franken im Gruppensetting, in der Einzelbetreuung sind es 4100 Franken. Ein Rückfall hingegen verursache dem Staat deutlich mehr Kosten.
DoLaS läuft derzeit an. Bisher wurden zwei Personen überwiesen. Insgesamt sollen aber bis zu 100 Personen pro Jahr am Programm teilnehmen können.
Die zuständige Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) lobt die neuen Kurse in einer Medienmitteilung: Dank ihnen lasse sich erneute Gewalt verhindern.
bat, mit Material der SDA
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